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Militärrabbiner Ederberg: Offenes Ohr für Soldaten im Norden

Zu ihm dürfen alle kommen, egal ob Jude, Christ, Anhänger einer anderen Religion oder Atheist, sagt Nils Ederberg. Menschen können ihm sagen, was durch ihre Herzen und Köpfe geht.

Nils Ederberg ist der neue liberale Militärrabbiner für Norddeutschland
Nils Ederberg ist der neue liberale Militärrabbiner für NorddeutschlandBundeswehr/Pieter-Pan Rupprecht

Feierstunde in der Hamburger Clausewitz-Kaserne: Nils Ederberg (57) ist der erste liberaler Militärrabbiner der Jüdischen Militärseelsorge für die Bundesländer Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen. Am Dienstag wird er durch Rabbinerin Elisa Klapheck und Militärbundesrabbiner Zsolt Balla offiziell in sein Amt eingeführt. Arbeit bei der Bundeswehr ist nach Ederbergs Ansicht Dienst an der Gesellschaft insgesamt, den er auch als Rabbiner gerne tue. Die Soldatinnen und Soldaten dürften ihm ihre Sorgen und Nöte schildern, dazu müssten sie keine Juden sein, sagt Ederberg im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

„Auch wer beispielsweise Katholik ist, darf zum Militärrabbiner gehen. Umgekehrt dürfen jüdische Soldatinnen und Soldaten zum katholischen Priester gehen“, Atheisten seien ebenfalls willkommen, sagt Ederberg, dessen Büro sich in der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg befindet, der aber beruflich im ganzen Norden unterwegs ist.

Erstmal überall bekannt machen

Zu den Menschen zu gehen, mache den Hauptteil seiner Arbeit aus, zumal die Militärrabbiner sich erst einmal überall bekannt machen müssten, denn das Militärrabbinat gebe erst seit 2021, sagt Ederberg. Aktuell gibt es in Deutschland sechs Militärrabbiner, zehn sollen es werden. In Hamburg sind es zwei, Ederberg ist der liberale, sein Kollege Shmuel Havlin der orthodoxe Militärrabbiner. Als Wochenend-Pendler fährt Ederberg an freien Tagen nach Berlin zu seiner Familie.

Aus den Besuchen an den 53 Standorten im Norden ergäben sich später Anfragen, sagt Ederberg – wie beispielsweise die Bitte, an einem Standort den sogenannten „Lebenskundlichen Unterricht“ anzubieten. „Das sind religionsneutrale Unterrichte zu ethischen und moralischen Themen, die von zwei Stunden bis zu dreitägigen Seminaren dauern können.“

Die aktuellen Krisen sind Thema

Die Themen, über die Soldatinnen und Soldaten mit Ederberg sprechen, sind vielfältig. „Viele sprechen über klassische Lebenssituationen, die belastend sind. Krankheit und Tod innerhalb der Familie beispielsweise, aber auch eigene Lebensprobleme.“ Jüngere Leute berichteten eher über Liebeskummer oder finanzielle Sorgen.

Auch politische Themen bewegen die Soldatinnen und Soldaten, sagt Ederberg. „Die Kriegssituation in Europa, der Krieg im Nahen Osten, Fragen wie ‘Was passiert mit uns, wenn die Amerikaner Europa im Stich lassen?’ oder ‘Was macht Putin?’, das sind Themen, die auch die Angehörigen der Bundeswehr existenziell beschäftigen. Die wissen ja auch, wo sie im Falle eines Krieges mit Bundeswehr-Beteiligung selber wären.“ Außerdem bilde die Bundeswehr im Rahmen einer Partnerschaft Ukrainer aus. „Für unsere Ausbilder gehört es zu den belastendsten Elementen überhaupt, nacheinander Gruppen von Ukrainern auszubilden, die dann jeweils direkt in den Kampf an die Front ziehen.“ Auch das Leiden der ukrainischen Zivil- und Militärbevölkerung sei in Seelsorgegesprächen ein Thema.

Ein Gesprächsangebot machen

„Natürlich können wir als Seelsorgerinnen und Seelsorger kein Abrakadabra machen und dann ist alles gut“, sagt Ederberg. Die Militärrabbiner könnten aber „ein Gesprächsangebot bieten, wo Menschen das, was durch ihr Herz, durch ihren Kopf geht, jemandem sagen können.“ Zuhören sei wichtig, und meist erhalte Ederberg danach die Antwort: „Das hat mir geholfen.“

Das ganze Interview mit Nils Ederberg gibt es hier.