Er war Hamburger Bürgermeister und Minister in zwei Bundesregierungen. Als erster Kanzler einer Ampel-Regierung musste er mehrere Krisen managen. In der SPD dürfte er jetzt nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.
Ihn hatten im Bundestagswahlkampf 2021 nur wenige als Sieger auf dem Zettel. Olaf Scholz war nach unglücklichen Auftritten des CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet und einigen Patzern der ersten Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock der lachende Dritte. Eine solche Wende im Wahlkampf gelang ihm nun nicht mehr. Für seine Partei fuhr er das bislang schlechteste Wahlergebnis ein, sein Direktmandat für den Bundestag gewann er allerdings. Bereits während des Wahlkampfs hatte Scholz angekündigt, bei einer Wahlniederlage keinen Ministerposten in einer CDU-geführten Regierung zu übernehmen.
Scholz startete seine Politikerlaufbahn vergleichsweise spät: 1958 in Osnabrück geboren und in Hamburg aufgewachsen, trat er zwar schon als Gymnasiast in die SPD ein. Bevor er mit 40 Jahren in den Bundestag gewählt wurde, arbeitete er als Fachanwalt für Arbeitsrecht. Nach einem kurzen Intermezzo als Hamburger Innensenator wurde er erst Generalsekretär der SPD und später in der ersten großen Koalition unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel (CDU) für zwei Jahre Bundesarbeitsminister. 2011 ging er zurück in die Landespolitik und stand sieben Jahre an der Spitze der Hansestadt.
Als Erster Bürgermeister erfreute er sich großer Beliebtheit. Die Hamburger erlebten ihn als zugewandt und freundlich, während er in Berlin mit seiner kühlen Art und seiner oft gestanzt wirkenden Redeweise schnell den Spitznamen “Scholzomat” verpasst bekam.
Als nach der Wahl 2017 die Bemühungen um eine Jamaika-Koalition scheiterten, wurde Scholz dann in einer Neuauflage der von seiner Parteibasis so ungeliebten großen Koalition Finanzminister und Vizekanzler. Mit Beginn der Corona-Pandemie bedeutete dies auch für ihn ein Regieren im Krisenmodus – mit Aufgabe der schwarzen Null und einer gigantischen Neuverschuldung.
Seine Popularitätswerte stiegen in dieser Zeit, auch weil er sich für Soforthilfen und Kurzarbeitergeld starkmachte, so dass schließlich auch viele seiner Kritiker für ihn als Spitzenkandidaten stimmten. Vorwürfe im Zusammenhang mit den Skandalen um Wirecard und die sogenannten Cum-Ex-Geschäfte saß er aus.
2021 stand Scholz dann bei den Bundestagswahlen als Gewinner da. Bei seiner Vereidigung zum Bundeskanzler verzichtete er beim Amtseid auf die Gottesformel. Scholz ist protestantisch getauft, trat aber vor einigen Jahren nach eigenem Bekunden aus der Kirche aus. Damit wurde er der erste konfessionslose Kanzler der Bundesrepublik.
In Gesprächen betonte Scholz allerdings, dass er sein Wertegerüst auch aus seinen protestantischen Wurzeln beziehe. Tief verankert sei bei ihm unter anderem das christliche Arbeitsethos, meint der leidenschaftliche Jogger und Ruderer.
In ethischen Fragen vertrat Scholz stets eine eher liberale Haltung. Als eine interfraktionelle Gruppe eine Gesetzesinitiative für eine liberalere Abtreibungsregelung erarbeitete, erklärte er, dass er einer solchen Regelung zustimmen würde. Zu einer Abstimmung darüber kam es allerdings nicht mehr.
Auch mit Blick auf die Sterbehilfe signalisierte er, dass er für mehr Selbstbestimmung stehe. Der Bundestag solle den Weg, den das Verfassungsgericht eröffnet habe, so ausgestalten, dass er für die Menschen, die selbstbestimmt sterben wollten, auch funktioniere, sagte er 2021 in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Es gab dann allerdings keine Initiative mehr zu dem Thema.