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Tesla-Scham: Autobesitzer distanzieren sich mit Aufklebern von Musk

Das Image von Tesla-Chef Elon Musk ist mehr als angekratzt. Zahlreiche Tesla-Fahrer distanzieren sich durch Sticker an ihren Fahrzeugen von dem unbeliebten Milliardär. Warum, erklärt ein Psychologe.

Tesla-Aufkleber mit dem Schriftzug «I bought this before Elon went crazy»
Tesla-Aufkleber mit dem Schriftzug «I bought this before Elon went crazy»Imago / Friedrich Stark

Im Straßenbild sind sie nun öfter zu sehen: Autos der Marke Tesla, an deren Rückseite ein Aufkleber mit dem Schriftzug “I bought this before Elon went crazy” (zu Deutsch: Ich kaufte es, bevor Elon verrückt wurde”) prangt. Schämen sich Autofahrer mittlerweile, einen Tesla zu fahren? “Die Tesla-Fahrer wollen auf der richtigen Seite der Geschichte stehen”, sagt Diplom-Psychologe Johannes Dorn, Mitglied der Geschäftsführung beim Kölner Marktforschungsunternehmen Rheingold Institut, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Der Aufkleber an Teslas sei wie eine Entschuldung für den Kauf des Autos, ähnlich einer Beichte in der Kirche.

Erste Tesla-Fahrer in den USA verkaufen ihre Fahrzeuge

“Denn alles, wofür sie einen Tesla gekauft haben, funktioniert jetzt nicht mehr”, sagt Dorn. Eigentlich müssten Tesla-Fahrer ihren Wagen verkaufen, so Dorn. Allerdings seien sie inzwischen an die Technik und den Komfort ihrer Fahrzeugs gewöhnt. Deswegen seien die Aufkleber die “erste Phase und der Versuch, um das Ganze noch zu halten”, glaubt der Psychologe. In Amerika verkaufen Medienberichten zufolge die ersten Tesla-Fahrer ihre Autos bereits. Medienwirksam tat das vor Wochen schon US-Rocksängerin Sheryl Crow, die sich mit einem “So long Tesla” von ihrem Elektroauto verabschiedete und bei Instagram schrieb: “Irgendwann kommt die Zeit, in der man sich entscheiden muss, mit wem man sich zusammentun will.”

 

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Hierzulande ist der Gebrauchtwagenmarkt bislang stabil. Bei der Online-Plattform Autoscout24 – nach eigenen Angaben der europaweit größte Online-Automarkt – bleibt das Tesla Model 3 weiterhin das beliebteste gebrauchte Elektroauto Deutschlands, so wie schon im gesamten vergangenen Jahr. Im Neugeschäft allerdings verliert Tesla zurzeit massiv Marktanteile. So sind die Tesla-Verkäufe in den ersten zwei Monaten des Jahres innerhalb der EU nach Auswertung des europäischen Automobilherstellerverband um die Hälfte zurückgegangen – auf etwas mehr als 19.000 verkaufte Autos.

Elon Musk: Image des Milliardärs stark angegriffen

Offenbar zeigen immer mehr Verbraucher so, was sie von Tesla-Chef Elon Musk halten. Einer aktuellen Erhebung des Marktbeobachters Deutsche Automobil Treuhand (DAT) zufolge überdenkt auch mehr als jeder dritte Leiter eines Fuhrparks aufgrund der Person Musk, ob er Tesla-Fahrzeuge beschafft oder nicht.

Das Image des Milliardärs ist stark angekratzt, seitdem er in der Politik mitmischt. In Deutschland warb er im Wahlkampf zur Bundestagswahl für die in Teilen als gesichert rechtsextrem geltende AfD, in den USA sorgt er in Trumps Regierung für drastische Einschnitte und Massenentlassungen in den Behörden. Öffentlich tritt er in Anlehnung an den argentinischen ultraliberalen Präsidenten Javier Milei mit Kettensägen auf, bei der Feier zur Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump in Washington irritierte Musk mit einer Geste, die stark dem Hitlergruß ähnelte.

“Musk ist jemand, der ohne Sinn und Verstand Macht ausübt und mit dem Holzhammer ganze System kaputtmacht. Seine Position ist zutiefst undemokratisch” sagt Dorn. Alles, wofür Verbraucher mal einen Tesla gekauft hätten, würde nun ad absurdum geführt. “Tesla-Fahrer sind in der Regel offen für die Probleme des Klimawandels, haben ein soziales und ökologisches Bewusstsein und suchen nach Lösungen”, sagt Dorn. Zudem seien es meist Menschen, die sich qua Bildung und Einkommen das Auto samt der nötigen Ladeinfrastruktur leisten könnten. Insofern sei der Tesla auch ein Demonstrationsobjekt.

Tesla-Fahrer im Zwiespalt

“Tesla-Fahrer fühlten sich ein bisschen als Silicon Valley, als Speerspitze der digitalen Entwicklung. Tesla bot ihnen, Nachhaltigkeit ohne Verzichtslogik zu leben. Sie brauchten nicht Rad fahren oder den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Sie bekamen im Gegenteil etwas on top: Fahrspaß, Technik und den ökologisch-avantgardistischen Glamour, die Coolheit.” Ein Tesla fahre schließlich nicht jeder. “Musk stört nun die Lösung, die sie für sich gefunden haben”, analysiert Dorn weiter. Das machen nun die Aufkleber deutlich. Neben dem oben genannten sind übrigens auch noch weitere Anti-Musk-Sticker auf dem Markt: “FCK ELN” oder “I love the car, not the CEO”.