Schon im November startet mit “Last Christmas” und Co. die musikalische Weihnachts-Dauerberieselung. Vor Ostern aber bleibt es merkwürdig still. Der Freiburger Musikwissenschaftler Michael Fischer erklärt die Gründe.
Im Gegensatz zu Weihnachten gibt es rund um das Osterfest kaum Popsongs oder Volkslieder – und abgesehen vom Ostereiersuchen auch viel weniger Brauchtum. “Der Befund ist eindeutig, die Erklärung aber nicht ganz so einfach, da kommen verschiedene Aspekte zusammen”, sagte der Freiburger Musikwissenschaftler Michael Fischer auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Ein wichtiger Aspekt: Weihnachten ist viel stärker mit positiven Gefühlen verbunden.
“Die Weihnachtserzählung erzählt emotional von einer Familie, von Elternschaft, von der Geburt eines Kindes. Daran lässt sich popkulturell und musikalisch viel leichter anknüpfen als an die eher ernste Botschaft von Ostern”, sagte Fischer. Zwar wird an Ostern der Sieg des Lebens über den Tod – die Auferstehung Jesu gefeiert – aber der qualvolle Kreuzigungstod Jesu am Karfreitag sei nicht so leicht zu vergessen.
Klassische Kompositionen und Oratorien zu Ostern und zur Passionszeit etwa von Johann Sebastian Bach rechnet Fischer mehr der musikalischen Hochkultur von und für Bildungseliten zu. “Das hat nichts mit populären Liedern oder Osterbrauchtum zu tun.”
Hinzu komme, so Fischer weiter, dass bereits im 19. Jahrhundert Lieder, Gedichte und Brauchtum rund um Weihnachten entstanden, die nicht mehr streng religiös auf die christliche Botschaft ausgerichtet waren. Die Menschen feierten Weihnachten als Fest der Liebe und der Familie.
“So entstanden schon früh Lieder, die man auch ohne den christlichen Glauben singen kann. Wintersongs über den Sternenhimmel und über weißen, unberührten Schnee. Auch das gibt es rund um Ostern nicht”, betonte der Leiter des Zentrums für populäre Kultur und Musik an der Universität Freiburg.
Nach Einschätzung Fischers gibt es nur wenige Beispiele dafür, dass sich christliches Osterbrauchtum auch zu säkularen Traditionen gewandelt hat. “Man könnte zum Beispiel an das Binden und Aufstellen von bunt verzierten Palmbuschen und Palmstecken denken, das heute zwischen kirchlicher Tradition und Folklore angesiedelt ist.”