Artikel teilen:

Demokratie hat in seiner Welt keinen Platz – Doku über Elon Musk

Das ZDF bohrt für seine “Elon Musk Story” tief in der Familiengeschichte. Doch die Doku leidet daran, dass die Autoren ein wenig zu begeistert davon sind, den Vater von Elon Musk vor die Kamera bekommen zu haben.

“Viele tausend Kilometer von Deutschland entfernt liegt eine von elektrischem Draht umzäunte Villa. Scheinbar geschützt von der Welt da draußen lebt hier der Vater von Elon Musk. – Wer den Sohn verstehen will, muss den Vater kennen”, raunt der Off-Kommentar. Und dann kommt er: Errol Musk. Der Vater von Elon Musk wird vom ZDF als Sensation der Doku “Die Elon-Musk-Story” von Carolin Heise und Tristan Söhngen präsentiert, Familienfotos inklusive. Es gibt sogar eins von Elon auf dem Töpfchen.

Musk senior ist also der harte Knochen, der seine Kinder noch härter rannahm und zu dem machte, was sie heute sind. Unberechenbare, psychisch gestörte Kampfmaschinen in eigener Sache, sagen die einen. Die größten Genies des Planeten – womit dann vor allem Elon gemeint ist – die anderen. Wer das besser verstehen will, sollte allerdings lieber die dreiteilige Dokumentation “Elon Musk – Genie und Wahnsinn” ansehen, die das ZDF schon am Wochenende auf zdfinfo gezeigt hat und die noch bis Herbst 2026 in der ZDF-Mediathek steht.

Dieser Dreiteiler endet zwar schon 2022 kurz vor dem Kauf von Twitter und blendet die Politik und Trump weitestgehend aus, kann mit seinen fast drei Stunden aber deutlich stärker in die Tiefe gehen. Auch hier taucht Errol Musk schon auf – und wird noch einmal deutlich kritischer eingeordnet als in der aktuellen ZDF-Produktion.

Die hat dafür den Vorteil, die politische Dimension des Elon Musk jetzt klar thematisieren zu können. Sie präsentiert ihn als “Systemsprenger”, für den auch die Demokratie nur ein Hindernis auf seinem Weg zum Mars ist. Das Schlimme daran – es stimmt. Oder wie der als Musk-Experte etwas unerwartet auftauchende ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagt: “Er begreift Donald Trump als eine potenzielle Abrissbirne bestehender Strukturen in den USA.” Trump sei so für Musk ein nützlicher Idiot. Und Musks Ambitionen reichten weit über die USA hinaus, wie seine Ausflüge in die britische Politik, wo er den Rechtspopulisten Nigel Farage erst aufs Schild hob und dann wieder herunterstieß, zeigten. Oder seine Liebe zu Alice Weidel und seine Unterstützung der AfD hierzulande

Wie Musk agiert, bringt die ehemalige Piraten-Politikerin Marina Weisband auf den Punkt: Musks Macht komme vom Geschichtenerzählen, und wer das Internet kontrollieren könne, kontrolliere auch die künftige Wirklichkeit. “Es zerstört den Diskurs. Es zerstört das Konzept der Wahrheit an sich”, sagt Weisband. Hier hätte es sich gelohnt, noch tiefer zu bohren.

Doch leider ist die ZDF-Doku ein bisschen zu begeistert davon, Musk senior im Interview zu haben, und synchronisiert den eigentlich ganz normal sprechenden Mann auch noch mit einer theatralisch dräuenden Sprecherstimme. “Wenn deine Kinder dich nie gehasst habe, warst du nie wirklich ein Vater”, wird Errol Musk also zitiert und darf Dinge sagen wie: “Die Welt da draußen ist wie ein Grillabend. Es ist ein Kampf.” Dabei wäre so viel Holzhammer gar nicht nötig.

Dass als Beleg für Musks Gefährlichkeit dann auch der ehemalige Trump-Berater und Chef der Rechtsaußen-Verschwörungsplattform Breitbart, Steve Bannon, zitiert wird, lässt einen erst recht ein wenig ratlos zurück. Bannon meint, Geld und eine reichweitenstarke Social Media Plattform seien die “Atomwaffen” unserer Zeit, und Musk habe beides – dagegen könne keine klassische Mitte-Links- oder Mitte-Rechts-Regierung bestehen. Das ist dann doch etwas arg unterkomplex und passt zum anderen deutschen Musk-Experten des Films: “Elon Musk hat nicht die typische Gründer-DNA, das ist die Super-Power-DNA”, sagt Carsten Maschmeyer. Und dass die Frontscheibe größer sei als der Rückspiegel – “das spielt er perfekt”.

Zum Glück rückt ZDF-Washington-Korrespondent Elmar Theveßen solche kruden Bilder wieder gerade, und dem Schluss daraus ist – leider – nichts hinzuzufügen: “Elon Musk will die Zukunft nach seinen Vorstellungen gestalten. Die Demokratie hat darin wohl keinen Platz.”