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Würdigung für verstorbene Holocaust-Überlebende Peggy Parnass

Am Mittwoch ist die Hamburger Autorin, NS-Überlebende und Aktivistin Peggy Parnass verstorben. Vertreter der evangelischen Kirche und der Politik würdigten ihren Einsatz gegen Rechtsextremismus und andere Missstände.

Die evangelische Bischöfin Kirsten Fehrs hat die am Mittwoch verstorbene Peggy Parnass (97) als “unermüdliche Kämpferin für Gerechtigkeit” gewürdigt. “Vor dem Hintergrund ihres eigenen dramatischen Schicksals als Verfolgte des NS-Regimes hat sie sich ein Leben lang für eine menschliche und solidarische Gesellschaft eingesetzt”, so Fehrs. “Ich bin froh, dass ich ihr bei vielen Gelegenheiten begegnen durfte, und ich werde ihre klaren Worte und ihre liebenswürdige, warmherzige Art sehr vermissen.” Parnass sei bis zuletzt in ihrer Heimatstadt Hamburg sehr präsent gewesen und habe aktuelle Debatten bereichert, so die Hamburger Bischöfin.

Auch Vertreter der Politiker drückten ihre Trauer aus. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) beispielsweise nannte sie eine “außergewöhnliche Bürgerin unserer Stadt”. Er würdigte ihren Einsatz gegen Rechtsextremismus und Diskriminierung und ihr Eintreten für Toleranz und Vielfalt. “Als Kind jüdischer Eltern musste Peggy Parnass vor den Nationalsozialisten aus Hamburg fliehen”, so Tschentscher. “Ihre Eltern und zahlreiche Verwandte wurden ermordet. Trotzdem kam sie als junge Frau nach Deutschland und in ihre Heimatstadt zurück.” Als Reporterin und Autorin habe sie zur konsequenten Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen beigetragen und das moralische Rechtsempfinden der deutschen Nachkriegsgesellschaft geprägt.

Parnass wurde 1927 in Hamburg geboren. Zusammen mit ihrem Bruder wurde sie 1939 mit einem Kindertransport nach Stockholm gebracht, wo sie in Pflegefamilien lebte. Kurz vor Kriegsende kam sie nach London zu einem Verwandten. Ihre Eltern wurden im Vernichtungslager Treblinka von den Nationalsozialisten ermordet. Parnass arbeitete als Schauspielerin und schrieb Gerichtsreportagen in der Zeitschrift “konkret” vor allem über sozial Benachteiligte. Sie war unter anderem Ehrenmitglied der Schriftstellervereinigung PEN und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes.