Feiertage dienten der Erholung, Gemeinschaft und geistlichen Orientierung – “alles Dinge, an denen es unserer Gesellschaft gerade massiv mangelt”, sagt ein leitender Geistlicher der evangelischen Kirche.
Vertreter der beiden großen Kirchen in Deutschland stellen sich gegen eine mögliche Abschaffung eines Feiertags aus wirtschaftlichen Gründen. “Es ist gut, in Zukunft zu investieren – finanziell wie kulturell. Feiertage dafür zu streichen, ist der falsche Weg. Sie dienen der Erholung, der Gemeinschaft und der geistlichen Orientierung. Alles Dinge, an denen es unserer Gesellschaft gerade massiv mangelt”, sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, der “Rheinischen Post” (Dienstag).
“Digitalisierung, Bürokratie und Infrastruktur werden nicht besser, wenn wir zusätzlich woanders Lücken reißen”, betonte der leitende Geistliche. Ruhe und Feiern gehörten als “Gaben Gottes” ebenso zum Leben wie das Arbeiten. Dies sei schon in den Zehn Geboten zu lesen.
Am Wochenende hatte sich Handwerkspräsident Jörg Dittrich für die Streichung eines Feiertages ausgesprochen. Der “Neuen Osnabrücker Zeitung” sagte er: “Einen Feiertag zu streichen, brächte ein paar Milliarden, würde aber vor allem das Signal senden: Wir nehmen die Herausforderungen gemeinsam an und packen es jetzt alle zusammen an. Die neuen Realitäten erfordern einen fröhlichen Fleiß, um das Erworbene zu erhalten.”
Unter anderem der Deutsche Gewerkschaftsbund wandte sich gegen eine Abschaffung von Feiertagen. “Einen Feiertag zu streichen, bedeutet nichts anderes, als die Löhne durch die Hintertür zu kürzen”, sagte die Vorsitzende Yasmin Fahimi.
Auch die katholischen Bischöfe wenden sich gegen die Streichung eines Feiertags. “Christliche Feiertage prägen die Kultur und Tradition unseres Landes und ermöglichen die gemeinschaftliche Religionsausübung zu zentralen religiösen Ereignissen”, sagte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Bonn. “Wir sehen daher nicht, dass die Folge der Schuldenaufnahme als erstes die Abschaffung eines christlichen Feiertags sein soll.”
Kopp fügte hinzu, es sei fraglich, ob eine solche Maßnahme in dem gewünschten Ausmaß und vor allem nachhaltig zur Stabilisierung der Staatsfinanzen beitrage. “Der religiöse und kulturelle Verlust wäre aber dauerhaft. Dies hat auch die Abschaffung des Buß- und Bettags gezeigt.” Der Sprecher verwies darauf, dass die Union sich in ihrem Wahlprogramm zum Schutz der christlichen Feiertage bekannt habe.