Rheinsberg. „Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh …“, klingt es aus über 100 Kehlen auf dem Rheinsberger Kirchplatz am 26. Juni. Es ist der dritte von sechs Montagen, an dem die Rheinsberger Kantorin Juliane Felsch-Grunow und die Bläser des Posaunenchores der Kirchengemeinden Rheinsberg und Menz zum Abendliedersingen eingeladen haben.
Auf dem ganzen Platz verteilt, stehen Gruppen von Menschen mit Liedzetteln in den Händen und singen kräftig mit. Einige haben sich einen Klappstuhl mitgebracht. Auch die Bänke auf dem Platz sind besetzt. Die Veranstaltungsreihe, die bereits im siebten Jahr stattfindet, hat sich zu einem Publikumsmagneten entwickelt.
Auch Urlauber kommen vorbei
Es sind nicht nur Rheinsberger, die zur abendlichen Stunde die entspannte besinnliche Atmosphäre genießen. Auch Bewohner aus dem Nachbarkreis Oberhavel, aus Menz, Neuglobsow und Zernikow sowie aus den umliegenden Rheinsberger Ortsteilen haben sich auf den Weg nach Rheinsberg gemacht. Die Leute kennen sich, die Begrüßung ist herzlich. An Gesprächsstoff bei einem Gläschen Wein mangelt es nicht. Viele sind inzwischen Stammgäste des Abendliedersingens. Auch Urlauber und Touristen befinden sich unter den Zuhörenden.
Moderiert wird die Veranstaltung von der engagierten Kirchenmusikerin selbst. Als sie erzählt, dass sich der Posaunenchor neben geistlichen Werken auch Volksliedern widmet, weil auch diese zur Kulturgeschichte gehören, gibt es Sonderapplaus. In der halben Stunde erklingen Choräle sowie Volks- und Abendlieder. Und hin und wieder steht auch eine Filmmusik oder ein Evergreen auf dem Programm.
Stammt das Lied aus Rheinsberg
Natürlich darf das Lied vom aufgehenden Mond nicht fehlen. Schließlich war dessen Komponist Johann Abraham Peter Schulz eine Zeit lang Kapellmeister am Rheinsberger Hof des Prinzen Heinrich. „Dass das Lied in Rheinsberg entstanden ist, ist nicht belegt“, erklärt Kantorin Felsch-Grunow. Aber auch andere Komponisten kommen zu musikalischen Ehren.
Für das leibliche Wohl an dem Abend sorgt Andreas Endler. Um die Stimmen der Zuhörer zu „ölen“, schenkt der örtliche Gastwirt Wein und Bier aus. Er unterstützt das Abendliedersingen, indem er den Erlös aus dem Wein- und Bierausschank spendet. Aber auch in einem Trompetenkoffer landen an dem Abend etliche Euros. Mit dem Spendengeld wurden zuletzt die Flutopfer im Ahrtal unterstützt. Ebenso wurde für die Restaurierung der Rheinsberger Kirche, für die Sanierung der Orgel und für die Kirchenmusik in der Vergangenheit gesammelt.
Zugaben erwünscht
Eigentlich sollten die vor sieben Jahren ins Leben gerufenen Abendmusiken nur 25 Minuten dauern. Doch das ist längst Geschichte. Die Dirigentin berichtet, dass es ihren Musiker*innen sehr viel Freude bereitet, vor so vielen Leuten zu spielen. So gibt es am Ende immer noch zwei bis drei Zugaben und von den sangesfreudigen Zuhörern und Zuhörerinnen einen Riesenapplaus.