“Die letzten Tage von Pompeji” ist keine normale Ausstellung. Die Macher setzen voll auf virtuelle Realität. Die Ereignisse in der süditalienischen Handelsstadt im Jahr 79 werden hautnah erlebbar. Jetzt in Berlin.
Romane, Filme, Computer Games – das Schicksal der einstigen süditalienischen Handelsstadt Pompeji, die im Jahr 79 durch einen Vulkanausbruch zerstört wurde, beschäftigt die Menschen bis heute. Als Tragödie, als Mythos und vielleicht auch als Warnung.
Alles das lässt sich ab sofort im Berliner New Media Art Center erleben, wo die Multimedia-Ausstellung “Die letzten Tage von Pompeji” zu sehen ist. Ursprünglich in Madrid präsentiert, dann in Wien, hat die Ausstellung den Weg in die deutsche Hauptstadt gefunden. “Es geht uns darum, dieses welthistorische Ereignis mit Entertainment-Elementen, aber auch mit historischen Informationen zu vermitteln”, sagt Produzent Nepomuk Schessl in Berlin. Man könne so quasi in die letzten Stunden der reichen Stadt “eintauchen”.
Dabei greifen die Ausstellungsmacher auf eine Mischung aus hochmodernen und klassischen Ausstellungselementen zurück. Repliken antiker Büsten und Schwerter gehören neben digitalen Informationstafeln genauso zum Inventar wie Reisen zu den antiken Plätzen der Stadt via VR-Brille.
“Im Unterschied zur spanischen Original-Ausstellung haben wir noch mehr Wert auf Hintergrund-Informationen gelegt”, erläutert Schessl. Das mögen die deutschen Besucher seiner Erfahrung nach. Doch er setzt auch stark auf den Einsatz der modernen Technologie. Sie soll junge und ältere Besucher direkt ansprechen und mit dem historischen Stoff emotional in Berührung bringen. Sound-Effekte und Musik unterstützen dieses Anliegen. Und wirklich – es funktioniert: Man fühlt sich in das Geschehen am Fuße des Vesuvs “hineingebeamt”.
Ein “immersiver Raum”, in dem der Besucher dank LED-Hochleistungsprojektoren im 360 Grad-Modus in die Szenerie des alten Pompeji treten kann, ist dabei so etwas wie das “virtuelle Herzstück” der Ausstellung. Eine ungefähr 30-minütige Inszenierung gibt hier ein anschauliches Bild vom Lebensstil in der dem Untergang geweihten Stadt. Ein junge, antik gekleidete Frau – offensichtlich eine Bürgerin von Pompeji – ist als Projektionsfigur an den Wänden zu sehen. Sie erzählt von ihrer Liebe zur Poesie und anderen Hobbys. Doch hier wird kein apokalyptischer Trübsinn kultiviert: Die Ästhetik und Schönheit Pompejis lassen sich dank der Projektionen erfahren. Restauration als virtuelles Ereignis – und man steht als Besucher mittendrin.
Als Highlight am Ende des Parcours kann man als Besucher in eine pompejische “Metaverse-Villa” treten: Der antike Weinkeller, die Küche und die Bäder vermitteln hautnah-virtuell den Reichtum und die Genussmittel der Stadt. Doch dann sind die ersten Anzeichen des Ausbruchs der tödlichen Lava zu erkennen. Vorboten einer Katastrophe, die vermutlich über 1.000 Menschen das Leben kostete. Sie wurden unter der Asche begraben. Dank der Aufzeichnungen des römischen Schriftstellers Plinius des Jüngeren sind wichtige Hintergründe bekannt. Erderschütterungen sollen den Vulkanausbruch angekündigt haben. Man deutete sie fälschlicherweise als Anzeichen eines Erdbebens.
So betont die spanische Kuratorin Miriam Huescar denn auch die ökologische Aktualität der Ausstellung: “Die Menschen von Pompeji haben die Warnzeichen der Natur nicht ernst genommen. Wir können aus dieser Geschichte viel für unsere Zeit lernen. Wir müssen die Natur respektieren.”