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Konzertfilm “Block Party” zeigt Peter Fox an Berliner Brennpunkten

Der Konzertfilm “Block Party” mit Peter Fox funktioniert am Ende ausgesprochen gut, gerade weil man beim Zuschauen erstmal gewisse Durststrecken überwinden muss.

Lange Formate finden sich in den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender selten. Dort setzt man vor allem auf gut portionierbare kürzere Folgen. Was linear als 90-Minüter läuft, wird gerne in zwei bis vier gut zwanzigminütige Folgen unterteilt. Insofern erstaunlich, wenn mit “Block Party – Peter Fox feiert mit Berlin” ab 25. März ein sogar etwas über 90 Minuten dauernder Inhalt in der ARD-Mediathek auftaucht. Tatsächlich verfolgt der Film auch eine spezielle Dramaturgie.

In der ersten Hälfte mag man sich denken, dass man schon Fan sein müsste, um vom Film fasziniert zu sein. Sicher, Peter Fox, der solo wie als Sänger der Band Seeed einen ähnlich schwer definierbaren wie schnell eingängigen Dancehall-/Hip-Hop-Stilmix entwickelt und lebt, ist ein Phänomen.

Dass bekannte Songzeilen wie “Wenn du mich fragst, wird alles gut, mein Kind/Mach dein Ding, aber such’ keinen Sinn” und “Berlin, Du kannst so hässlich sein” geschmeidiger klingen als Fox beim Smalltalk, spricht eindeutig für ihn als Künstler. Und die Pläne des gebürtigen Berliners, im Sommer 2024 an fünf überregional bekannten sogenannten Problemvierteln zwischen Neukölln und Marzahn öffentliche Gratis-Konzerte zu veranstalten, sind aller Ehren wert.

Was man von den Vorbereitungen sieht, wenn Fox junge Musiker aussucht (“Hat der schon was auf Spotify?”), sie in ihren Umfeldern aufsucht und mit ihnen rasch fachsimpelt, unterscheidet sich aber nicht ungeheuer von dem, was die meisten Popmusik-Fernseh-Formate zeigen. Die 16-jährige Cerin, gebürtige Libanesin, wurde in ihrer Schule verlacht, als sie erstmals auf Tiktok sang, aber sie glaubt an sich. Der Hip-Hopper Kopfnikk verarbeitet in seinen Songs seine schwierige Kindheit. Generationelle Medien-Phänomene (Cerin kannte den 53-jährigen Fox zunächst auch kaum) und Aspekte gesellschaftlicher Realität (ein Vater mit Migrationshintergrund benennt am Rande, dass “auf der ganzen Schule nur zwei deutsche Kinder sind”) kann so ein Konzertfilm natürlich nicht vertiefen.

Sehr viel von Marzahn und Neukölln außer Hochhäusern im Grünen ist auch nicht zu sehen. Und der große Spannungsbogen, den die Film-Ankündigung als “Musik trifft auf Bürokratie” umschreibt, trägt nur begrenzt. Fox’ Plan mit den fünf Konzerten droht an Sicherheitsbedenken der Stadt Berlin zu scheitern. Doch ein echter Gegenspieler oder Bedenkenträger taucht im Film nicht auf. Welche Auflagen Behörden konkret und vor allem warum verhängten, erfährt man nicht. Und Argumente dafür, bei Großveranstaltungen Sicherheitskonzepte nicht klein zu schreiben, gibt es ja durchaus. An diesem Punkt des Films hat man als Zuschauer außerdem schon ein paar Konzertausschnitte gesehen – und weiß also, dass Fox auftrat und einige Konzerte geklappt haben.

Kurzum: Das groovt ein bisschen beim Zusehen, was vor allem an der immer wieder eingespielten Musik liegt, fesselt aber nicht ungemein. Bis nach knapp einer Stunde das erste von drei Konzerten, die dann stattfinden konnten (während zwei weitere untersagt blieben), gezeigt wird. Nun übertragen sich Fox’ Ideen und die Faszination, die sie ausüben, auch auf dem Bildschirm.

Im Columbiabad, einem fast so berüchtigten wie beliebten Neuköllner Freibad, sind sogar die Schwimmbecken voll besetzt. Alle singen, alle tanzen, auch im Wasser, alle winken einander zu. Positive Energien vibrieren so sichtlich und wie hörbar, die einmalige Stimmung und die gegenseitige Überwältigung vermitteln sich. Sogar die Kamera rutscht aus lauter Überschwang die Rutsche hinab ins Wasser.

Die Musik funktioniert, sichtlich multikulturell im besten Sinne. Intensiver, wuchtiger – und besser, als in den angerissenen Ausschnitten zuvor – klingt sie auch. “Das ist Neukölln, und nicht so, wie die Medien das immer machen und drehen”, ruft einer der Beteiligten gerührt. Peter Fox formuliert das auf der Bühne so: “Wenn man so die Zeitung liest, denkt man ja: Hier ist jeden Tag Messerstecherei”.

Dabei ist Neukölln völlig anders, wenn das dicht besetzte Freibad friedlich feiert. Und wenn der Funke erst einmal übergesprungen ist, gewinnen auch die Erzählstränge um die jungen Musiker aus den jeweiligen Kiezen und ihre Selbstdarstellung Tiefe. Weitere Konzerte im noch berüchtigteren Görlitzer Park und am Schöneberger Pallasseum-Hochhauskomplex fügen weitere Facetten hinzu.

Die Dramaturgie funktioniert, gerade weil die Höhepunkte nach einer Durststrecke umso eindrücklicher rüberkommen. Insofern lohnt es auch für alle, die keine dezidierten Peter-Fox-Fans sind, dranzubleiben.