Die in Berlin lebende Autorin Judith Hermann erhält die diesjährige Brüder-Grimm-Poetikprofessur der Universität Kassel. „Hermanns fiktionale Texte sind durch einen speziellen, sinnlichen Erzählstil, einen besonderen ‘Sound’, zu charakterisieren“, erklärte die verantwortliche Literatur- und Medienwissenschaftlerin Stefanie Kreuzer am Donnerstag in Kassel. Ihre Erzählungen zeichneten sich durch poetische Beschreibungen des Alltäglichen ebenso aus wie durch den Fokus auf essenzielle Themen. Sie thematisiere Beziehungskonstellationen und das Zusammenleben von Menschen ebenso wie existenzielle Erfahrungen mit Krankheit, Sterben und Tod.
Die 1970 in Berlin geborene Autorin wurde mit ihrem Prosadebüt, dem Erzählband „Sommerhaus später“ (1998), bekannt. Von dem in 17 Sprachen übersetzten Buch wurden den Angaben zufolge über 250.000 Exemplare verkauft. Hermann veröffentlichte darüber hinaus die Erzählbände „Nichts als Gespenster“ (2003), „Alice“ (2009) und „Lettipark“ (2016) sowie die Romane „Aller Liebe Anfang“ (2014) und „Daheim“ (2021). Für ihre Prosatexte hat sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, darunter den Kleist-Preis, den Bremer Literaturpreis, den Preis der LiteraturTour Nord und den Wilhelm Raabe-Literaturpreis.
Die Autorin wird im Rahmen der Gastprofessur am 25. Juni um 18 Uhr im Campus Center eine öffentliche Poetikvorlesung halten und am 26. Juni um 18 Uhr eine öffentliche Lesung. Ebenfalls am 26. Juni wird sie um 12 Uhr ein Poetik-Seminar für Studierende anbieten.