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Hilfswerke: schwierige Rettungsarbeiten nach Erdbeben in Südostasien

Laut aktuellen Berichten von Missio-Partnern aus dem katholischen Erzbistum Mandalay ist das dortige Franziskus-Hospital des Erzbistums erheblich beschädigt, was die Versorgung von Verletzten erschwere. Auch das sechsstöckige Pastoralzentrum des Erzbistums könne nicht mehr genutzt werden, teilte Missio Aachen am Samstag mit. Das Hilfswerk Malteser International in Köln wollte Samstagabend ein Nothilfeteam von Deutschland Richtung Yangon, Myanmar, losschicken. Das Bündnis Aktion Deutschland Hilft bekräftigte am Sonntag seine Ankündigung, eine Million Euro Soforthilfe für Erdbebenopfer in Myanmar zur Verfügung zu stellen.

„Obwohl das konkrete Ausmaß der Katastrophe weiterhin nicht vollständig sichtbar ist und die Lage weiterhin unübersichtlich, befürchten Bündnis-Experten mit langjähriger Landeskenntnis schwere und langfristige Folgen für die betroffene Bevölkerung“, erklärte Maria Rüther, Hauptgeschäftsführerin von „Aktion Deutschland Hilft“ in Bonn. Daher müssten Nothilfemaßnahmen nun schnell gestartet und laufende Hilfsprogramme erweitert werden.

Nach offiziellen Angaben wurden in Myanmar bisher mehr als 1.000 Tote geborgen, wie Missio Aachen erklärte. Eine Missio-Partnerin spreche in einer E-Mail neben den über 1.000 Toten auch von knapp 2.400 Verletzten. Da die Telefon- und Internetleitungen oft unterbrochen seien, Elektrizität fehle und sich die Bergung von Menschen schwierig gestalte, sei vermutlich mit weiter steigenden Zahlen von Opfern zu rechnen. „Viele Gebäude, einschließlich Tempel, Kirchen, Moscheen oder Universitäten, wurden zerstört“, berichtete sie.

Bereits am Freitag hatten mehrere Hilfsorganisationen auch aus NRW Hilfe für die notleidenden Menschen in Myanmar und dem Nachbarland Thailand angekündigt. So bereitet sich etwa das Medikamentenhilfswerk Action Medeor auf mögliche Medikamentenlieferungen vor. Man prüfe sowohl mögliche Arzneimittellieferungen aus dem eigenen Medikamentenlager als auch Beschaffungen vor Ort mit lokalen und internationalen Partnern. „Wir werden den Weg wählen, der die lokalen und regionalen Kapazitäten am besten unterstützt“, betonte der Vorstandssprecher von Action Medeor, Sid Peruvemba, im niederrheinischen Tönisvorst.

Das Hilfswerk Malteser International in Köln hatte am Samstag angekündigt, noch am Abend ein Nothilfeteam von Deutschland Richtung Yangon, Myanmar, losschicken zu wollen, um die örtlichen Teams in den betroffenen Gebieten zu unterstützen. Die ersten Nothilfemaßnahmen seien bereits angelaufen. „Unser medizinisches Personal, Experten im Bereich Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung sowie geschulte Freiwillige sind bereits im Einsatz, um die Bedarfe zu ermitteln und erste Hilfen zu koordinieren“, berichtet Oliver Hochedez, Leiter der Nothilfeabteilung. Dringend benötigt würden Medikamente und medizinisches Material.

In Myanmar arbeiten die Malteser nach eigenen Angaben in Yangon und im Shan State. Schon vor dem Erdbeben seien in dem Nachbarland von Thailand aufgrund multipler Krisen fast 20 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen gewesen. Die Malteser sind seit dem Jahr 1979 in Thailand und seit 1996 in Myanmar tätig. In Thailand übernimmt die Organisation die Gesundheitsversorgung Geflüchteter an der Grenze zu Myanmar.

Laut dem Bündnis Aktion Deutschland Hilft warnen Experten der Bündnisorganisationen unter anderem vor Engpässen bei sauberem Trinkwasser und der medizinischen Versorgung in Myanmar. Es gebe in Mandalay nur noch ein Krankenhaus, das geöffnet sei. Dort würden dringend Medikamente und medizinisches Verbrauchsmaterial benötigt. Durch das Beben seien Wasserleitungen zerstört worden. In Yangon herrsche bereits Wasserknappheit, erklärte Aung Thura, medizinischer Koordinator der Johanniter in Mandalay.

Help – Hilfe zur Selbsthilfe hat in Zusammenarbeit mit zwei lokal tätigen Hilfsorganisationen in Mandalay die Menschen mit Nahrungsmitteln, Wasser, Notunterkünften und medizinischer Hilfe versorgt: „Die Auswirkungen der Beben verschärfen die bereits katastrophale Lage nochmals dramatisch. Wir stehen im engen Austausch mit unseren Partnern vor Ort und werden die Hilfsmaßnahmen nach Möglichkeit ausweiten“, erklärte Help-Nothilfekoordinatorin Julia Brückner.

Das Erdbeben mit einer Stärke von 7,7 auf der Richterskala hatte am Freitagmittag (Ortszeit) die Region erschüttert und viele Gebäude in Myanmar und Thailand zum Einsturz gebracht. Das Epizentrum lag nach Darstellung der Vereinten Nationen in Zentral-Myanmar nahe der Stadt Mandalay. Aus den beiden betroffenen Ländern wurden zahlreiche Tote und Vermisste gemeldet.