Er ist in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg verantwortlich für die Kirchenmusik: Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) schildert Landeskirchenmusikdirektor Matthias Hanke, welche Rolle Klassik und Pop in der Kirche spielen und was einen gelungenen Gottesdienst ausmacht.
epd: Herr Hanke, was zeichnet Ihrer Meinung nach gute Kirchenmusik aus und welche Musik würden Sie für einen normalen Gottesdienst empfehlen: Orgel, Band oder beides?
Matthias Hanke: Für den Gottesdienst gilt: Gute Vorbereitung und ein stimmiges Ineinandergreifen von Gesprochenem und Musiziertem sind oft der Schlüssel zum Erfolg. Menschen spüren, ob die im Gottesdienst Aktiven wissen, was sie tun und warum sie es tun. Dabei kann es zu einem bunten Miteinander verschiedener Musikgruppen und Stile kommen. Gute Kirchenmusik zeichnet sich dadurch aus, dass sie Räume, Ohren und Herzen erfüllt, wodurch sich Menschen mit ihren Emotionen, Fragen und ihrer Spiritualität angesprochen fühlen. So eröffnet sie Horizonte, ermöglicht Kommunikation mit Gott und bringt das Erlebte in den Dialog mit biblischen und geistlichen Texten. Die Kleinstform dieses Dialogs ist der Choral, das Kirchenlied.
epd: Seit einiger Zeit gibt es einen ersten Landespopkantor in der württembergischen Landeskirche sowie einen „Gospelpfarrer“: Öffnet sich die Kirche damit noch mehr für andere Musikstile?
Hanke: Popmusik ist nicht nur Gospel und Worship, sondern eine ganze Welt an Stilen mit einer bereits über 150-jährigen eigenständigen Geschichte. Dass die Evangelische Landeskirche seit 2023 einen Landespopkantor hat, vernetzt und fördert die sehr vielfältige innerkirchliche Pop-Szene untereinander, nimmt aber auch die säkulare Szene wahr. Die schon länger unternommenen landeskirchlichen Initiativen und Angebote wie zum Beispiel der C-Pop-Kurs, der Pop-Kirchenmusikstudiengang, Pop-Großevents oder 2026 der Ökumenische Gospelkirchentag in Stuttgart haben in Landespopkantor Urs Bicheler eine kompetente Ansprechperson. Klassik und Pop können sich so in der Landeskirche professionell und gut vernetzt weiterentwickeln.
epd: Am 29. März wird es bei der Tagung des Kirchenparlaments, der Synode, einen Schwerpunkthalbtag zur Kirchenmusik geben – wie ist die derzeitige Situation der Kirchenmusik?
Hanke: Die Kirche muss ihre organisch gewachsene Größe an die finanziellen und gesellschaftlich vorgegebenen Realitäten anpassen. Die umfangreichsten Kürzungsszenarien trafen bislang vor allem den Pfarrberuf – auch wegen Nachwuchsmangels – und auch das eine oder andere kirchliche Gebäude. Die Kirchenmusik in Württemberg erweist sich als robust. Für viele ist sie einer der lebendigsten Bereiche in der Kirche, der sich auch nach Corona erstaunlich gut erholt hat. Das Repertoire wie Bachs Weihnachtsoratorium, seine Passionen, Brahms Deutsches Requiem und viele andere Oratorien sprechen uneingeschränkt auch heute neue Zielgruppen an.