Das Motto der diesjährigen Fastenaktion der Evangelischen Kirche von Deutschland lautet: „Luft holen! Sieben Wochen ohne Panik“. Das mag gut gemeint sein, hilfreich ist es allerdings nicht. Panik ist eine schwerwiegende psychische Erkrankung, die meist in Attacken daherkommt. Das Herz rast, die Hände zittern, die Atemnot treibt einem den kalten Schweiß auf die Stirn. Aus heiterem Himmel und ganz plötzlich wird der komplette Organismus von einer unfassbaren Angst übermannt. Man hat das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Panikattacken sind ernst zu nehmen und nichts für schwache Nerven.
Kirchen-Fastenaktion: Finger weg von gefährlichen Tipps bei psychischen Krankheiten
Was sich die findigen und kreativen Köpfe hinter der Fastenaktion in diesem Jahr gedacht haben, bleibt unklar. „Luft holen“ ist grundsätzlich immer eine gute Idee und überlebenswichtig. Diesen Rat aber an diejenigen heranzutragen, die unter Panikattacken leiden, ist fahrlässig. Nicht weniger als beispielsweise der ganze Social-Media-Trend um ADHS– und Autismusdiagnosen.
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Sowohl die Verantwortlichen der Fastenaktion als auch alle anderen Küchen-Psychologinnen und -Psychologen unter uns tun gut daran, die Finger von gefährlichen Tipps zu psychischen Erkrankungen zu lassen. Dafür gibt es Fachleute. Und die wissen, was sie tun. Und nur, weil psychische Erkrankungen aus der Tabuzone geholt wurden (das ist die gute Nachricht), bedeutet das nicht, dass jede und jeder weiß, was im Akutfall zu tun ist. Sieben Wochen ohne Halbwissen und gut gemeinte Ratschläge würden der Kirche eher stehen. Oder, wie es ein berühmter Maler einst formulierte: „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“