In Zusammenarbeit mit dem Kinoportal filmdienst.de und der Katholischen Filmkommission bietet die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) Fernsehtipps zu besonderen Filmen:
Die Chronik eines einzelnen Jahres, das nicht mal 100, sondern gerade erst 46 Jahre zurückliegt – ergibt so etwas in der als immer schnelllebiger empfundenen Gegenwart Sinn? Die Frage könnte man sich am Anfang der zweiteiligen Arte-Doku stellen. Doch der Sinn erschließt sich schnell bei der Erstausstrahlung dieser britischen Produktion aus dem Jahr 2022.
Denn genau in diesem “Schlüsseljahr” 1979 fügten sich mehrere Entwicklungen zu etwas zusammen, das bis heute gewaltig nachwirkt und durchaus den auch aktuell häufig strapazierten Begriff “Zeitenwende” verdient. Denn seither erstarkt der Islamismus, der gegenwärtig nicht zuletzt mit mörderischen Anschlägen in deutschen Innenstädten Aufmerksamkeit erregt.
Die Chronik von 1979 setzt mit Szenen im Schnee ein. Im Januar befand sich Ayatollah Chomeini noch im Exil nahe Paris; seit 13 Jahren schon. Doch bald darauf kehrte er in den Iran zurück, aus dem Schah Rezah Palavi nach zahlreichen gewalttätigen Demonstrationen geflohen war. Die Ankunft des 79-jährigen Chomeini wurde frenetisch gefeiert und von der gesamten, auch der säkularen, Opposition begrüßt. Chomeini erschien “wie Lenin und Che Guevara”, sagt ein damaliger linker Demonstrant rückblickend; demokratisch und sozialistisch habe er geklungen. Auf westliche Medien wirkte er wie ein “Gandhi-ähnlicher alter Mann”, ergänzt der Off-Kommentar.
Was das bald angesetzte Referendum über die Einführung einer “islamischen Republik” bedeuten würde, ahnte damals offenbar niemand. Doch befeuerte es islamistische Bewegungen in der gesamten Region – noch ganz ohne Beachtung der inzwischen wirkmächtigen Unterscheidung zwischen den im Iran vorherrschenden schiitischen und sunnitischen Konfessionen.
Die engmaschige, durch bemerkenswert viele zeitgenössische Bildaufnahmen gestützte chronologische Aufbereitung lässt gelungene Täuschungsmanöver und nachhaltige Fehleinschätzungen deutlich werden. Das gestattet, allerhand Parallelen zur heutigen Lage zu ziehen.
Wer sich noch mehr Gegenwartsbezüge wünscht, kann am Themenabend einfach dranbleiben. Im Anschluss widmet sich eine weitere britische Produktion der aktuellen Lage in der “islamischen Republik”, die der Iran nominell noch immer darstellt. Exil-Iranerinnen und Exil-Iraner zeigen offen und mutig ihre Haare und Gesichter – von denen einige sichtlich malträtiert wurden. “Leider kann ich nicht mehr weinen”, sagt gegen Ende dieses 90-Minüters ein junger Kurde, in dessen Kopf acht Schrotkugeln stecken.
Smartphone-gefilmte Szenen von Demonstrationen, die sich vor allem gegen die Hijab-Verschleierungs-Pflicht richteten, gestatten Vergleiche mit 1979. Heute wie damals sind heftigste Prügelszenen dokumentiert. Neu sind der Einsatz von Scharfschützen gegen Demonstranten und die Omnipräsenz von Kameras. Vor allem, wie Exilanten über Schläge, Auspeitschungen und Todesfälle berichten, geht nahe und ist nichts für zarte Gemüter.