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“Zu viel, zu laut, zu Frau”: 3sat-Doku über unangepasste Frauen

Mit Frauen, die “anders” sind und dies in Beruf und Privatem zu spüren bekommen, befasst sich eine 3sat-Doku. Auch für Männer dürfte das sehenswert sein.

Schauspielerin Stefanie Reinsperger (li.) mit Trachtenmode-Unternehmerin Gexi Tostmann
Schauspielerin Stefanie Reinsperger (li.) mit Trachtenmode-Unternehmerin Gexi TostmannZDF / Catharina Kleber

Frauen sollen attraktiv, umgänglich und nicht zu vorlaut sein, so ein gängiges Bild. Mit Frauen, die “anders” sind und dies in Beruf und Privatem immer wieder auch zu spüren bekommen, befasst sich die 3sat-Doku “Zu viel, zu laut, zu Frau” am Weltfrauentag, also am 8. März um 19.20 Uhr. Die Wiener Schauspielerin Stefanie Reinsperger ist Gastgeberin für diesen Film über Schönheitsideale, Geschlechterrollen und gesellschaftliche Normen. Die Doku liefert eine Momentaufnahme von fünf Frauen, die sich selbst nicht (mehr) als “zu viel” definieren lassen – sondern als “genau richtig”. Jede von ihnen schätzt ihre Wirkung auf andere selbst ein.

Reinsperger kommentiert die Doku und sammelt während ihrer Drehbesuche weiße Plastikkugeln, auf denen sich jede Frau mit ihrem individuellen “zu viel …” verewigt: Da ist die Wiener Journalistin und Fotografin Alexandra Stanić, die sich als “zu fordernd” einstuft. Bei einem Fototermin mit Reinsperger berichtet Stanić von ihren Strategien gegen Frauenfeindlichkeit, Rassismus und Hass im Netz.

3sat-Doku zeigt emanzipatorische Kraft des Dirndl

Als “zu ehrgeizig” schätzt die Unternehmerin Gexi Tostmann ihre Wirkung auf andere ein. Die Senior-Chefin einer 1949 gegründeten Trachtenfirma erklärt beim Besuch in Seewalchen an Attersee die emanzipatorische Kraft des Dirndls. Tostmann sagt: “Kapitalismus, Kirche und Kolonialismus sind für mich Männerkultur gewesen. Da habe ich gesagt, müssen wir schauen, dass wir Verbesserungen bewirken können. Darauf sollten sich Feministinnen konzentrieren, und das tun sie für mich auch.” Reinsperger sagt, sie spiele oft Männer – und erklärt, warum “Hosen-Rollen” für sie so ein bedeutender Teil ihrer Schauspielarbeit sind.

Bei “Zu viel, zu laut, zu Frau” hatte Filmemacherin Catharina Kleber nach eigenen Worten persönliche Erfahrungen im Blick. “Als Frauen werden wir besonders häufig beurteilt, und ich sehe sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext, dass es schwierig ist, ‘gerade richtig’ zu sein”, sagt Kleber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Stefanie Reinsperger ist bekannt als “Tatort”-Kommissarin

Immer häufiger fiel ihr auf, dass Frauen sich dennoch zeigen und über die Problematik sprechen. Auch Prominente berichten, dass sie gerade als junge Frauen vermittelt bekommen haben, dass sie zu laut, zu unangepasst, zu anders seien. Darüber wollte Regisseurin Kleber, die seit fast 20 Jahren in Wien lebt, einen Film machen.

Stefanie Reinsperger ist bekannt als Dortmunder “Tatort”-Kommissarin und Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. In der Öffentlichkeit zu stehen bedeutet nach ihrer Erfahrung immer auch, Bewertungen und Kritik ausgesetzt zu sein – besonders als Frau. Reinsperger kennt das nur zu gut und trifft Leidensgenossinnen.

Kleine Szene, großer Aufwand

Die Dokumentation ist ein Film von Frauen für Frauen, dessen starke Stimmen und Ansichten auch für Männer interessant sind. Filmemacherin Kleber hat durch ihre Arbeit und den Austausch viel Neues erfahren, wie sie sagt – und teilt dies gern mit dem Publikum. “Ich habe von allen etwas mitgenommen: Von Alex Energie und Furchtlosigkeit, von Gexi Eigensinnigkeit und ihre Neugier, und von Steffi Selbstbewusstsein und Offenheit”, sagt Kleber.

Am Ende des Films steht eine kleine Szene mit großem Aufwand: Alle beschrifteten Plastikkugeln rollen eine rotsamtene Treppe im Wiener Burgtheater hinunter. Auch die Filmemacherin hat eine der Kugeln beschriftet. Diese Szene sei leicht zu drehen gewesen, aber die Vorbereitung sei sehr aufwändig gewesen, erinnert sich Kleber. “Ich musste sehr, sehr, sehr viele Frauen fragen, ob sie mir etwas auf eine Kugel schreiben.”

Der Dreh erfolgte mit zwei Slow-Motion-Kameras und einer gutgelaunten Stefanie Reinsperger. In Erinnerung bleiben fünf Frauen mit unterschiedlichen Perspektiven und spannenden Einblicken. Ein guter filmischer Beitrag zum Weltfrauentag.

3sat zeigt die Doku “Zu viel, zu laut, zu Frau” am Samstag, 8. März um 19.20 Uhr.