Wie wütend jemand ist, lässt sich mithilfe einer Wut-Skala messen. Konflikte unter Teammitgliedern ließen sich dadurch schneller identifizieren, teilte die Universität Hohenheim am Donnerstag in Stuttgart mit. Eine Studie von Arbeitspsychologen der Universität zeige: Wie wütend Menschen sind, lasse sich innerhalb kürzester Zeit durch einen Fragebogen ermitteln. Er zeige die Wut, die sich oft im Stillen aufbaue. So ließen sich Unstimmigkeiten und Konfliktpotenziale frühzeitig entschärfen.
„Wut ist ein wesentlicher Treiber von Konflikten am Arbeitsplatz. Oft wird sie aber erst bemerkt, wenn es schon zu spät ist“, erklärt Ulrike Fasbender, Inhaberin des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Organisationspsychologie an der Universität Hohenheim und Co-Autorin der Studie. „Viele Menschen möchten ihre Wut gar nicht erst zeigen und unterdrücken ihre Emotionen. Das kann Folgen für die mentale Gesundheit haben. Es schadet aber auch der Gruppendynamik, wenn Konflikte unerkannt bleiben.“
Um diesem Problem entgegenzuwirken, entwickelten die Arbeitspsychologen die „State-Trait-Wut-Skala“. Sie misst, wie stark jemand generell zur Wut neigt. Sie erfasst, ob jemand dazu neigt, schnell zu explodieren oder seine Wut erst einmal lange in sich hineinfrisst. Die acht Fragen sollen als Frühwarnsystem dienen. Um die Skala zu entwickeln, arbeitet das Team mit rund 100 Psychologen zusammen. Die Skala wurde mit rund 600 Arbeitnehmern getestet, je zur Hälfte aus Deutschland und den USA. Zwischen den beiden Gruppen zeigten sich nur leichte Unterschiede. Es gab Hinweise darauf, dass Deutsche generell über andere Dinge wütend werden als US-Amerikaner, möglicherweise aufgrund anderer Moral- und Wertevorstellungen.
Befragte vervollständigen acht verschiedene Sätze und geben etwa an, ob sie sich in diesem Moment, „gar nicht“, „ein bisschen“, „mittelmäßig“, „sehr“ oder „extrem“ aufgebracht oder zornig fühlen. Wenn Mitarbeiter bei den einzelnen Antwortmöglichkeiten häufig „sehr“ und „extrem“ auswählen, sollte das Gespräch gesucht werden, empfiehlt Fasbender. (0688/27.03.2025)