An den Moment, als Purzelchen ihr in die Arme fiel, kann sich Kristina B. gut erinnern. Den kleinen Bären entdeckte sie 2005 bei einem Spaziergang über eine Frankfurter Einkaufsstraße in einem Teddy-Laden. Eigentlich suchte sie ein Geschenk. Doch ihr war schnell klar: „Den gebe ich nicht mehr her“, erzählt B. über ihre erste Begegnung mit ihrem Lieblingskuscheltier. Der Name Purzelchen erinnert sie daran. „Er ist mir in die Arme gepurzelt“, sagt B. und lacht.
B., Jahrgang 1966, ist verheiratet, steht mitten im Berufsleben. Aus diesem Grund möchte sie auch nicht, dass ihr voller Name in Verbindung mit ihrem Hobby in der Öffentlichkeit bekannt wird. Aus ihrer Liebe zu Purzelchen und seinem Teddybären-Freund, dem schönen Paul, macht sie dennoch keinen Hehl. Auf Instagram betreibt sie den Account „Paul (und Purzelchen)“ @derschoenepaul mit etwa 1800 Followern. Und so wie ihr geht es vielen Menschen, die unter dem Hashtag #pluschiesofinstagram auch im Erwachsenenalter ihre Liebe zu Kuscheltieren zeigen.
Wie Paul zum Fußball-Fan wurde
Ihren Mann hat sie mittlerweile mit ihrem Hobby überzeugt. Ihm gab sie zu Anfang ihrer Beziehung einmal Teddy Paul als Gesellschaft mit, als sie ein Wochenende verreist war. Im Gegenzug erhielt sie ein Foto mit Paul, der neben einem FC-Köln-Kissen sitzt. Seither ist Paul offiziell FC-Köln-Fan. Fotografiert hat B. ihre Bären auch auf Reisen oder in Zwillings-Outfits. Einige davon hat ihre 83-jährige Mutter genäht, andere bestellte sie im Internet. „Das Element des kindlichen Spielens zu bewahren, hält einen jung“, sagt B. Außerdem wecke das Spiel mit dem Bären in Verbindung mit dem Fotografieren auch ihre kreative Ader. Spiel, Kreativität und Trost seien die wichtigsten Motive, aus denen Erwachsene mit Kuscheltieren „spielen“, erklärt Insa Fooken, Psychologin und ehemalige Hochschullehrerin an der Frankfurter Goethe-Universität. „Menschen, die mit Kuscheltieren spielen, haben oft eine gute Beziehung zu sich selbst und sind mit sich im Reinen“, sagt Fooken. Trotzdem sei das Thema auch mit Scham behaftet, weil das Spielen mit Kuscheltieren bis heute mit dem Kindlichen identifiziert werde.Kuscheltiere erfüllen bei Kindern meist die Funktion eines Übergangsobjekts, sie helfen dabei, kurze Phasen der Trennung von der Bezugsperson zu überstehen. Bei Babys könne das auch ein Schmusetuch oder eine Decke sein, die den vertrauten Geruch annehme, erklärt Fooken. Später gäben dann Kuscheltiere Sicherheit und Schutz. Sie helfen dem Kind, negative Emotionen wie Trauer oder Wut, aber auch positive Emotionen wie Freude zu verarbeiten. Wie stark die Bindung an ein wichtiges Kuscheltier sei, zeige sich oft darin, dass Erwachsene sich schwertäten, ihre früheren Kuscheltiere zu entsorgen, sagt Fooken. Sie dienten auch dann noch als Bindeglied zur Erinnerung an die Kindheit.Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

