Die Arbeitsgruppe Queer der bayerischen evangelischen Landessynode dämpft die Erwartungen von Kirchenparlament und Öffentlichkeit. Der Leiter der Arbeitsgruppe, Christian Albrecht, sagte am Montagabend in seinem Bericht vor der in Augsburg tagenden Synode: „Ich habe es immer wieder gesagt: Am Ende werden viele enttäuscht sein von den Überlegungen und Vorschlägen der Arbeitsgruppe, weil sie den einen zu weit gehen, den anderen nicht weit genug.“ Die synodale Arbeitsgruppe war 2023 gegründet worden, um den Umgang mit queeren Menschen in der Landeskirche zu beleuchten.
Hintergrund: Der Synode waren vier Eingaben zu dem Thema vorgelegt worden, mit denen sich die Arbeitsgruppe befassen sollte. Die umfassendsten Forderungen kommen von der Evangelischen Jugend in Bayern (ejb). Sie fordert unter anderem ein Schuldbekenntnis der kirchenleitenden Organe wegen ihres teils diskriminierenden Umgangs mit queeren Menschen, die Trauung für alle und eine Abschaffung des Gewissensschutzes für Pfarrerinnen und Pfarrer bei Eheschließungen von queeren Paaren. Der konservative Arbeitskreis ABC lehnt diese Forderungen ab und hat dazu eine eigene Eingabe eingereicht.
Die Mitglieder des Gremiums wüssten, dass es hohe Erwartungen an die Arbeitsgruppe und ihre Vorschläge gebe, sagte Albrecht, der auch Professor für Praktische Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München ist, in seinem Bericht. Die Arbeitsgruppe habe versucht, Mittelwege zu finden und Kompromisslinien zwischen Progressiven und Konservativen zu zeigen. „Ich wünsche mir, dass wir hier auf der Synode so diskutieren, wie wir in der Arbeitsgruppe diskutiert haben: mit großem Sinn für alle berechtigten Anliegen und mit großem Sinn auch füreinander.“
Die konkreten Vorschläge der Arbeitsgruppe werden der Synode am späten Dienstagnachmittag präsentiert. Albrecht hatte vor der Synodentagung dem Evangelischen Pressedienst (epd) die Vorschläge in Grundzügen erläutert. Es stehe außer Frage, dass queere Menschen in der Kirche großes Leid und Diskriminierung erfahren hätten. Ein eigenes Schuldbekenntnis jedoch empfehle die Arbeitsgruppe nicht, es müsse vielmehr alles dafür getan werden, dass queere Menschen in Zukunft nicht mehr diskriminiert werden. Auch der Gewissensschutz sollte laut Empfehlung der Arbeitsgruppe beibehalten werden.
Statt von einer „Trauung für alle“ sollte nur noch von einem „Gottesdienst anlässlich einer Eheschließung“ gesprochen werden – unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung. Zwischen beiden Begrifflichkeiten gebe es zwar keinen nennenswerten theologischen oder rechtlichen Unterschied, wohl aber einen gefühlten: Konservativen Evangelischen sei es wichtig, dass die „Trauung“ nur heterosexuellen Paaren vorbehalten sei, sagte Albrecht. Synodenpräsidentin Annekathrin Preidel sagte, dass die Vorschläge der Arbeitsgruppe sehr ausgewogen seien. Sie hoffe, dass sich eine Mehrheit in der Synode dafür findet. (1105/31.01.2025)