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Nägel für die Zukunft

Ein Nagel aus dem Rathaus von Stralsund und einer aus der Nikolaikirche sind beim Richtfest des Gemeinde- und Bürgerzentrums in Knieper verwendet worden: Kirchengemeinde und Stadt arbeiten eng zusammen.

Pastor Albrecht Mantei (rechts) beim Versenken des Nagels aus der Kirche St. Nikolai
Pastor Albrecht Mantei (rechts) beim Versenken des Nagels aus der Kirche St. NikolaiHansestadt Stralsund/ Pressestelle

Erst im Juli vergangenen Jahres war der erste Spatenstich für das neue Gemeinde- und Bürgerzentrum (NGZ) im Stralsunder Stadtteil Knieper gesetzt worden. Jetzt haben die Hansestadt und die Kirchengemeinde St. Nikolai Richtfest gefeiert: Der Rohbau steht.

Ab Januar 2026 soll das NGZ genutzt werden können. Neben einem Stadtteilbüro und einem Café soll es Co-Working-Spaces, Büros sowie Räume für Veranstaltungen unterschiedlichster Art bieten – von Konzerten über Lese- und Filmvorführungen bis zu Gottesdiensten. Ein Mittelpunkt für kirchliches, kulturelles und soziales Engagement soll das Haus werden, vielseitigen Bedürfnissen der Kirchengemeindemitglieder, möglichst vieler Stadtteilbewohner und Gruppen jeden Alters gerecht werden.

Sichtbares Zeichen der Zusammenarbeit

In seiner Ansprache nannte der Oberbürgermeister der Stadt Stralsund, Alexander Badrow, den Bau ein „sichtbares Zeichen der engen Zusammenarbeit von Hansestadt und Kirche“ und betonte: „Hier schlägt bald das Herz von Knieper West. Hier kommen Menschen zusammen. Hier wird Gemeinschaft gelebt. Hier bauen wir Zukunft.“ Auch Tilman Jeremias, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern, schrieb in einem Grußwort an die Gemeinde: „In einer Zeit, in der Kirche für manche auf dem Rückzug scheint und kirchliche Gebäude zur Disposition stehen, wagen Sie – auch gegen manche Kritik – einen großen Schritt in Richtung Zukunft.“

So soll das Gemeinde- und Bürgerzentrum im Stralsunder Stadtteil Knieper später aussehenr
So soll das Gemeinde- und Bürgerzentrum im Stralsunder Stadtteil Knieper später aussehenrArchitekturbüro Buttler

Ursprünglich hatte die Nikolaigemeinde nur geplant, für die eigenen Veranstaltungen endlich ein genügend großes, zentral gelegenes Gemeindehaus zu schaffen. „Die Gebäudesituation ist bei uns sehr schwierig“, hatte Pastor Albrecht Mantei bereits früher erklärt.

Gemeinde- und Bürgerzentrum ist Teil eines größeren Projektes

Fast 14 Jahre lang wurde geplant und geträumt, lange hakte es bei der Finanzierungsfrage. Schließlich stand fest: Die EU fördert den NGZ-Bau, der rund 10 Millionen Euro kosten wird, als ein Projekt von Kommune und Kirche mit fast zwei Millionen Euro aus dem Programm „Soziale Stadt“. Kirche und Stadt haben sich zusammengetan, sogar noch Grundstücke getauscht. Die Stadt gibt jetzt eine weitere Million Euro dazu. Und ein Förderverein der Kirchengemeinde sammelt Spenden. Dennoch war lange die Angst da, dass sich die Gemeinde St. Nikolai mit der Investition zu hoch verschulde.

Badrow betont, das NGZ sei Teil eines größeren Entwicklungsprojekts, das die Stadt auf dem ehemaligen Gelände eines Plattenwerks realisiere. Hier sind auch eine neue Förderschule, eine Kita, eine Freiluftsporthalle sowie Wohnhäuser für gemischte Nutzungen geplant.

Je ein Nagel von der Stadt und von der Kirchengemeinde

Ein Highlight beim Richtfest: die symbolischen Hammerschläge. In Ermangelung des Dachstuhls, den es auf dem dreigeschossigen Gebäude mit Dachterrasse nicht geben wird, schlugen Vertreterinnen und Vertreter der Stadt, der Kirchengemeinde St. Nikolai und aus dem Stadtteil gemeinsam zwei handgeschmiedete Nägel in historisches Holz. Dazu hatten junge Menschen ein jahrhundertealtes Stück Balken aus der Ratskirche St. Nikolai hereingetragen.

Einer der Nägel ist ein Fundstück aus dem Rathaus, einer stammt aus der „Mutterkirche“ St. Nikolai – ein Zeichen der Verbundenheit zwischen Vergangenheit und Zukunft, Kirche und Kommune. Nach dem traditionellen Richtspruch von der Empore lud die Gemeinde alle Gäste zu Kaffee und Kuchen ein.