Wer in der rheinischen Kirche arbeitet, ist künftig zu regelmäßigen Fortbildungen zur Prävention von sexualisierter Gewalt verpflichtet. Die Landessynode beschloss am Donnerstag auf ihrer Tagung in Bonn eine entsprechende Änderung des Kirchengesetzes, die für die unterschiedlichen landeskirchlichen Ebenen gilt. Die Frage zum zeitlichen Abstand und zum Umfang der Wiederholungsschulungen werde noch in einer Rechtsverordnung festgelegt, sagte die Berichterstatterin Daniela Mondry-Küppers. Mitarbeitende müssten zudem das Schutzkonzept und den Verhaltenskodex anwenden. An Tag fünf der Jahrestagung des Kirchenparlaments der zweitgrößten evangelischen Landeskirche in Deutschland wählten die Synodalen auch Teile der Kirchenleitung neu.
Neben den Anpassungen im Kirchengesetz beschloss das Kirchenparlament der rund 2,1 Millionen Protestanten zwischen Niederrhein und Saar auch eine Schutzstruktur für die Landessynode selbst. In dieser geht es unter anderem auch um sexualisierte Gewalt. Sie sieht etwa eine Selbstverpflichtung zu einem respektvollen Miteinander vor und regelt den Umgang mit Verdachtsfällen.
In seinem der Synode vorgelegten Bericht verwies Vizepräses Christoph Pistorius auf die Bedeutung einer ernsthaften und aufrichtigen Beschäftigung mit dem Thema. Die Landessynode solle hinhören und hinsehen: „Wir sollten uns nie anmaßen, verstanden haben zu wollen, was die je konkrete Person als Betroffene erlebt hat.“ Die Synode solle Haltung zeigen, sich um Kulturwandel in der Fläche bemühen sowie nachfragen, wo die Landeskirche bei Prävention, Intervention sowie Aufarbeitung stehe und was benötigt werde.
Der dienstälteste Superintendent Christian Weyer dankte dem scheidenden Vizepräses Pistorius für dessen „unermüdliches Engagement“ bei der Bearbeitung des Themas sexualisierte Gewalt. „Christoph Pistorius hat uns damit beispielhaft vorgelebt, wie angemessener Umgang mit Betroffenen zu gehen hat und wie es durch verlässliches Kommunizieren und Handeln möglich ist, wenigstens auf persönlicher Ebene eine vertrauensvolle Basis für eine Zusammenarbeit zwischen einem Vertreter der Institution und Betroffenen zu schaffen“, sagte der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Saar-West. Pistorius selbst konnte an der Sitzung nicht teilnehmen.
Seine Nachfolge als Leiterin der Personalabteilung der rheinischen Kirche wird Antje Menn antreten. Sie war bereits am Mittwoch gewählt worden. Auch für das Amt der Vizepräses kandidiert sie, die Wahl ist für Freitag angesetzt. Dann bestimmen die Abgeordneten auch, ob Johann Weusmann als juristischer Vizepräsident im Amt bleibt. Bereits am Mittwoch war er in seiner Position als leitender Jurist bestätigt worden.
Insgesamt wurde über sieben der 15 Ämter im Leitungsgremium der zweitgrößten deutschen Landeskirche entschieden. Das Kirchenparlament hat auch drei neue nebenamtliche Mitglieder in das Leitungsgremium gewählt und zwei weitere bestätigt. Als nebenamtliches theologisches Mitglied wählte die Synode am Donnerstagvormittag Annette Vetter, Schulreferentin im Evangelischen Schulreferat Duisburg/Niederrhein. Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises an Lahn und Dill, Hartmut Sitzler, wurde im Amt bestätigt. Als nebenamtliche nichttheologische Mitglieder wurden Sammy Wintersohl, Leiter der Pressestelle des Evangelischen Kirchenverbandes Köln, und Lorenz Narku Laing, Professor für Sozialwissenschaften und Rassismusforschung an der Evangelischen Hochschule Bochum, neu gewählt. Im Amt bestätigt wurde zudem die Lehrerin Lisa Marie Appel.