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Preidel: Kirche und Diakonie gehören zusammen

Am 30. März kommt die bayerische evangelische Landessynode zu ihrer Frühjahrstagung in Augsburg zusammen. Der Schwerpunkt liegt diesmal auf dem Thema „Diakonie“. Selbst viele Menschen innerhalb der Kirche hätten nicht auf dem Schirm, dass Kirche und Diakonie zusammengehören, sagt Synodenpräsidentin Annekathrin Preidel im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Thema wird auch die Neustrukturierung der drei fränkischen Kirchenkreise sein sowie ein Bericht darüber, was sich seit Veröffentlichung der ForuM-Missbrauchsstudie vor einem Jahr im Umgang mit sexualisierter Gewalt in der Landeskirche getan hat.

epd: Frau Preidel, am 1. März ist der neue Kirchenkreis „Altbayern-Schwaben“ an den Start gegangen. Die Neustrukturierung der drei fränkischen Kirchenkreise steht jetzt an. Das dürfte doch bestimmt wieder für Diskussionen in der Synode sorgen, oder?

Preidel: Der Umbau der Kirchenleitung wird uns in der Synode natürlich weiter beschäftigen. Der südliche Kirchenkreis Schwaben-Altbayern mit dem Regionalbischofs-Führungstandem Thomas Prieto Peral und Klaus Stiegler kommt jetzt ins Laufen und dient auch als Vorbild für die drei fränkischen Kirchenkreise. Für einen großen Kirchenkreis in Nordbayern sind jetzt die ersten Pflöcke eingerammt worden. So steht bereits das Startdatum des neuen Kirchenkreises fest – nämlich der 1. Januar 2027.

epd: Wie begleitet die Synode diesen Prozess?

Preidel: Den finalen Beschluss zum Kirchenkreis Nord, wie ich ihn jetzt der Einfachheit halber mal nenne, fällt die neu gewählte Synode im Frühjahr 2026. Begleiten wird den Prozess bis Ende 2026 eine synodale Arbeitsgruppe, die jetzt im März gebildet wird. Der Arbeitsgruppe werden neun Personen angehören: die drei Regionalbischöfinnen Elisabeth Hann von Weyhern, Gisela Bornowski und Berthild Sachs sowie sechs Synodale, drei von ihnen gehören dem Organisationsausschuss an.

epd: Es heißt ja, dass der Kirchenkreis Schwaben-Altbayern auch als Vorreitermodell für den Norden dienen soll. Also aus drei Kirchenkreisen einen großen machen, mit zwei Regionalbischöfen?

Preidel: Noch steht überhaupt nichts fest – außer, dass es eine passende neue Struktur auch für die nördlichen Kirchenkreise geben soll. Ob es eine fränkische Kopie von Schwaben-Altbayern geben wird, welche Führungsriege vorne dran steht und wie das neue Gebilde dann überhaupt heißt – das alles steht noch in den Sternen. Aber natürlich werden auch Alternativen zu einem Modell „Schwaben-Altbayern“ geprüft. Im Herbst 2025 wird es einen ersten Zwischenbericht der Arbeitsgruppe geben. Da wird man dann wahrscheinlich sehen, wohin die Reise geht.

epd: Schwerpunktthema der Synodentagung ist diesmal „Diakonie“. Um was geht es da konkret?

Annekathrin Preidel: Es geht darum, die Verbindung zwischen Kirche und Diakonie zu stärken. Es soll deutlich werden, dass Kirche und Diakonie zusammengehören. Das haben viele Menschen – selbst innerhalb der Kirche – nicht auf dem Schirm.

In Kirchenvorständen zum Beispiel werden diakonische Vereine und Initiativen vor Ort aus meiner Wahrnehmung eher stiefmütterlich behandelt. Da braucht es einen Bewusstseinswechsel hin zu mehr Kooperationen. Auch die Synodalen dürfen sich nicht nur für die Dekanate in ihren jeweiligen Gebieten zuständig fühlen, sondern auch für dortigen diakonischen Einrichtungen. Denn: Das diakonische Profil ist Teil unserer Kirche.

epd: In der öffentlichen Wahrnehmung werden Diakonie und Kirche getrennt wahrgenommen. Als Organisationen, die erst mal wenig miteinander zu tun haben. Woher kommt das?

Preidel: Weil es tatsächlich voneinander unabhängige Organisationen sind, zum Beispiel auch als Arbeitgeber. Die verfasste Kirche ist anders aufgebaut als die Diakonie, die unternehmensorientiert wirtschaften muss.

Auch das Image, das die Menschen von Kirche und Diakonie haben, ist unterschiedlich. Der christliche Leitgedanke „Nächstenliebe in Wort und Tat“ zeigt es schon: Das „Wort“ wird durch die verfasste Kirche – also vor allem durch die Verkündigung des Evangeliums und Predigten in Gottesdiensten – erfüllt, was bei den Menschen aber immer mehr an Relevanz verliert.

Die „Tat“ hingegen meint vor allem die Diakonie mit ihrem Dienst am Menschen, wie etwa in Seniorenheimen, Hospizeinrichtungen, Krankenhäusern, Kindergärten oder in der Jugendhilfe. Diese diakonischen Angebote kennen viele Menschen aus ihrem Alltag.

epd: Bei Diakonie und ihrem katholischen Gegenüber, der Caritas, werden das christliche Menschenbild geschätzt…

Preidel: Genau. Denn da wissen die Menschen: Es geht nicht nur darum, zum Beispiel Pflegebedürftigen Medikamente zu verabreichen, sondern der Mensch als Ganzes steht im Mittelpunkt. Da spürt man einfach den Geist, dass der Mensch in der Kirche als Ebenbild Gottes gesehen wird. Wenn diakonische Einrichtungen schließen müssen, weil Geld oder Personal fehlen, dann ist das für die Menschen vor Ort erfahrungsgemäß immer eine Verlusterfahrung.

epd: Will die Kirche also etwas vom „Glanz“ der Diakonie abhaben?

Preidel: Nein, darum geht es nicht. Denn Diakonie ist ja seit jeher Teil unserer Kirche. Aber es wäre doch unsinnig, wenn Kirchengemeinden und diakonische Vereine vor Ort getrennt voneinander arbeiten. Da kann man sinnvolle Synergien schaffen. Allein bei der Immobilienfrage, die ja die Kirche wegen der immensen Kosten zunehmend belastet. Diakonische Einrichtungen – und das sind zum Teil ganz kleine Vereine und Initiativen – könnten doch ohne Probleme, wenn es sich anbietet, evangelische Gemeindehäuser nutzen oder umgekehrt. Da gäbe es noch viele Beispiele. Letztlich geht es um eine Stärkung der Kirche insgesamt.

epd: Neben dem Themenschwerpunkt „Diakonie“ stehen noch andere Punkte auf der Tagesordnung. Was ist zum Thema „sexueller Missbrauch in Kirche und Diakonie“ zu erwarten? Die Landeskirchen warten ja auf die Beschlüsse der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), um ein bundesweit einheitliches Vorgehen zu gewährleisten.

Preidel: Vor etwas mehr als einem Jahr wurde die ForuM-Missbrauchsstudie veröffentlicht. Die Leiterin der Fachstelle für den Umgang mit sexualisierter Gewalt in der bayerischen evangelischen Landeskirche, Martina Frohmader, wird vor der Synode einen Bericht dazu geben, was sich seitdem getan hat.

Beschlüsse sind nicht geplant. Der EKD-Rat hat am 21. März eine Richtlinie verabschiedet, die einheitliche Anerkennungsleistungen für Betroffene sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche und Diakonie festlegt. Darauf hatten wir gewartet. Für uns als bayerische Landessynode heißt das in der Folge, dass wir frühestens bei unserer nächsten Tagung im Herbst 2025 über Anerkennungsleistungen beschließen können.

epd: Das wäre dann die letzte Tagung der Synode vor den Neuwahlen – und auch Ihre letzte Tagung, oder?

Preidel: Ja, nach zwölf Jahren als Synodenpräsidentin stelle ich mich nicht noch einmal zur Wahl. Auch die Vizepräsidenten Walter Schnell und Hans Stiegler wollen dann aufhören. Im Frühjahr 2026 wird dann also ein komplett neues Präsidium auf dem Podium sitzen.

epd: Sind Sie traurig über das Ende einer kleinen Ära?

Preidel: Nein, ich bin zufrieden und habe eigentlich alles erreicht, was ich mir 2014 beim Amtsantritt vorgenommen hatte. Für die ersten sechs Jahre hatte ich mir einen Zukunftsprozess vorgenommen, den wir unter dem Titel „Profil und Konzentration“ gestartet haben, um die Landeskirche angesichts sinkender Mitgliedszahlen und finanzieller Mittel zukunftsfest aufzustellen. Für die zweiten sechs Jahre dann die Umsetzung der Ergebnisse. Hinter beides kann ich einen Haken setzen.

epd: Was viele gar nicht auf dem Schirm haben – als Synodenpräsidentin arbeiten Sie rein ehrenamtlich, obwohl Sie einen Berg an Arbeit haben.

Preidel: Ich mache das alles sehr, sehr gerne, auch wenn es viel Arbeit bedeutet. Vom Pensum her ging es manchmal echt an die Schmerzgrenze. Aber inzwischen haben die Synode und ihr Präsidium mit Kirchenrätin Kathrin Neeb eine theologische Referentin in Vollzeit an der Seite. Das ist schon eine Riesenentlastung, die es früher so nicht gab. (0984/23.03.2025)