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Politiker und Hilfsorganisationen fordern neue Afghanistan-Politik

Politiker und Hilfsorganisationen haben sich für eine Neuausrichtung der Afghanistan-Politik ausgesprochen. Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und Nichtregierungsorganisationen (NGO) sollten mehr Lobbyarbeit für humanitäre Unterstützung in Afghanistan betreiben, erklärte der Vorsitzende der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages, Michael Müller (SPD) am Samstag auf einem Online-Forum der Evangelischen Akademie Villigst in Schwerte.

Ein wesentlicher Grund für das Scheitern des deutschen Engagements in Afghanistan sei gewesen, dass es keine abgestimmte Zielvorgabe zwischen dem Außen-, dem Verteidigungs- und dem Entwicklungshilfeministerium gegeben habe, sagte der frühere Regierende Bürgermeister von Berlin.

Katja Mielke vom Bonn International Center für Conflict Studies (BICC) kritisierte, dass die wissenschaftliche Aufarbeitung des 20-jährigen Afghanistan-Einsatzes Deutschlands dadurch erschwert worden sei, dass Passagen in den zur Verfügung gestellten Dokumenten geschwärzt worden seien.

Die FAZ-Auslandskorrespondentin Friederike Böge sprach von einer „Leerstelle“ der deutschen Politik. Man müsse eine Form des Umgangs mit den regierenden Taliban finden. Böge mahnte dafür „mehr Ehrlichkeit und Mut“ an. Die Isolierung der afghanischen Regierung zum Beispiel wegen ihrer Haltung gegen Mädchen und Frauen habe „nichts gebracht“.

Die Hilfsorganisation „Vision für Children“ erklärte, dass mithilfe örtlicher Partnerorganisationen vor Ort die Durchführung von Bildungsprojekten in Absprache mit den Dorfältesten oder Repräsentanten örtlicher Gremien möglich sei. Als sehr nachteilig erweise sich die Kürzung der Entwicklungshilfemittel der Bundesregierung. Auch Vertreter von afghanischen Hilfsorganisationen, die in Deutschland ansässig sind, erklärten, dass Hilfsprojekte auch ohne diplomatische Beziehungen erfolgreich sein können.

Das Online-Forum der Evangelischen Akademie Villigst in Schwerte stand unter dem Thema „Nach der Afghanistan-Aufarbeitung: Schlussstrich oder neue Mitverantwortung Deutschlands?“.