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Onlinekarte nimmt Nahverkehrsanbindung unter die Lupe

Nahverkehr per Mausklick: Eine neue Karte zeigt, wo in Deutschland die Menschen mit Bus und Bahn gut angebunden sind und wie sie ohne Auto oft alt aussehen. 35 Millionen Häuser sind auf Internetseite erfasst.

Eine neue Karte zeigt im Internet, wie gut jedes Haus in Deutschland an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen ist. Das kostenlose Angebot berücksichtige nicht nur die Fußstrecke zur nächsten Haltestelle, sondern auch Fragen zur Qualität der Verbindungen, teilte die Universität Konstanz am Dienstag mit. Auf der Internetseite “Mobility Maps” sind demnach auch Analysen zu allen Landkreisen abrufbar.

Mehr als 35 Millionen Häuser wurden laut Mitteilung für das Angebot erfasst – und damit jedes öffentlich verzeichnete Gebäude hierzulande. Ein Farbcode zeigt, wo die Anbindung gut ist und wo Verbesserungen nötig wären. Die Karte überprüfe für alle Häuser die jeweiligen individuellen Verkehrsanschlüsse – etwa an Schulen und Kindergärten, Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte oder Kultureinrichtungen. Von der Gesamtansicht Deutschlands könne bis hin zum einzelnen Haus herangezoomt werden.

Anhand der Karte lässt sich laut Entwicklern präzise simulieren, für welche Menschen sich der potenzielle Bedarf von Angeboten des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) verändert, wenn beispielsweise Krankenhäuser zusammengelegt oder geschlossen werden. Auch die Auswirkung von geplanten Verkehrsmaßnahmen könne abgelesen werden, bis hin zur Verlagerung einer Bushaltestelle. Die Karte ermögliche es Nutzern, individuell einzugeben, wie viel Wegstrecke bis zur nächsten Haltestelle für sie akzeptabel ist.

“Bei der Laufdistanz zur nächsten Haltestelle ist Deutschland in vielen Gegenden relativ gut aufgestellt”, bilanziert Maximilian Fischer von der Forschungsgruppe Datenanalyse und Visualisierung an der Universität Konstanz. Die Großstädte seien relativ gut ausgebaut, aber in vielen Regionen gebe es Problemstellen. “Diese sind teilweise überraschend, sowohl überregional als auch im Detail auf Ebene von einzelnen Stadtvierteln”, stellte er fest.

Das Angebot könne helfen, bestehende Lücken zu identifizieren. “Wir sehen ein riesiges Anwendungspotenzial, um politische Fragestellungen datenbasiert und haushaltsgenau anzugehen”, schilderte Daniel Keim von der Konstanzer Forschungsgruppe.