Mit der steigenden Lebenserwartung steigt auch der Anteil älterer Musizierender in der Kirchenmusik. Der Zulauf sei indes nicht nur ein Phänomen der demografischen Entwicklung, sagte die Vize-Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Musikgeragogik mit Sitz in Münster und Amberger Dekanatskantorin Kerstin Schatz im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Musik macht aus unterschiedlichen Gründen glücklich und verschafft altersunabhängig ein enormes Wohlgefühl.“
In einer deutschlandweiten überkonfessionellen Untersuchung befragte sie Kirchenmusiker und -musikerinnen, wie man sich auch im Alter musikalisch betätigen und bilden kann und welche Relevanz Musik für ältere Menschen habe. Demnach musizierten viele Männer und Frauen über 65 und in der nachberuflichen Phase in den verschiedenen kirchenmusikalischen Ensembles, spielten Orgel oder leiteten selbst Chöre.
Studien belegten, dass Musizieren positive Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele habe. Insbesondere die Kirchenmusik stärke das Wohlbefinden, „weil hier die Musik mit christlichen Inhalten verknüpft ist“, sagte Schatz. Sie vermittle ein Geborgensein im Glauben, der musikalisch „tiefer gehen kann als manches gesprochene Wort, weil Musik so unmittelbar auf den Körper und die Seele wirkt“.
Kirchenmusik leiste „für jeden Geschmack und jedes Leistungsniveau“ etwas, auch das habe ihre Untersuchung belegt. Als Beispiele nannte sie Gospelchöre, Bands, Kirchen- und Konzertchöre, Posaunenchöre und Orchester, Stimmbildung, Orgelunterricht und mehr. „Diese Vielfalt zeichnet uns in der gesamten Fläche der Landeskirchen im Haupt- und im Nebenamt aus“ und werde von Seniorinnen und Senioren geschätzt.
Zudem seien die kirchenmusikalischen Gruppen für viele Ältere ein wichtiger Ort der Gemeinschaft, betonte Schatz. „Gemeinsames Musizieren schafft Verbindung untereinander.“ So seien durch die gemeinsamen Konzerte und regelmäßigen Proben im Laufe der Zeit bei vielen Bekanntschaften und Freundschaften entstanden, „die guttun, Halt geben und durchs Leben tragen“.
Die Relevanz älterer Menschen in der Kirchenmusik werde noch zunehmen, prognostizierte die Kirchenmusikdirektorin. Denn viele Gottesdienste könnten musikalisch nicht mehr ausgestaltet werden, wenn sich die ältere Generation nicht aktiv einbringen würde, sei es als Organist, Chorsänger oder als Chorleiter.