Es ist ein Klassik-Festival der Superlative: Knapp 60 Chöre aus 21 Ländern, über 2.200 Mitwirkende, fast 160 Veranstaltungen in zehn Tagen. Über 70.000 Fans pilgern nach Leipzig, um Johann Sebastian Bach zu hören.
Es zieht Zehntausende Fans aus aller Welt an: Das diesjährige Leipziger Bachfest startet an diesem Freitag mit einem Konzert von Gewandhausorchester und Thomanerchor in der Thomaskirche. Johann Sebastian Bach wirkte dort als Kantor von 1723 bis zu seinem Tod 1750 in der Musikstadt. Bis zum 16. Juni stehen knapp 160 Veranstaltungen mit hochkarätigen Interpreten sowie knapp 60 Bach-Chören aus 21 Ländern auf dem Programm, unter anderem aus Australien, Paraguay, Japan und den USA. Das Motto in diesem Jahr: “CHORal TOTAL”.
Der niederländische Star-Digigent Ton Koopman sagte zum Auftakt vor Journalisten: “Für viele Musikerinnen und Musiker ist es eine große Ehre, hier spielen zu dürfen. Und es ist ein tolle Gelegenheit zum Austausch mit vielen Kollegen. Die ganze Bach-Family ist da.” Koopman ist Präsident des Bach-Archivs Leipzig. Beim Bachfest leitet er unter anderem den Projektchor “We are family”.
Das Festival solle auch zeigen, wie global die Bachfamilie ist, erläuterte Intendant Michael Maul. “Wir machen hier, was die weit verzweigte Bach-Familie schon vor Jahrhunderten machte: sich einmal im Jahr an einem Ort versammeln, um miteinander zu singen.” Die Veranstalter erwarten einen neuen Besucherrekord; im vergangenen Jahr kamen rund 70.000 Besucher aus 56 Ländern. “Da kommt Bayreuth nicht mehr mit”, so Maul.
Das Bachfest fällt in diesem Jahr mit mehreren Jubiläen zusammen: Vor 500 Jahren veröffentliche der Reformator Martin Luther das erste evangelische Gesangbuch, den Grundstein für die vor 300 Jahren in Leipzig komponierten Choralkantaten Bachs. Ebenfalls 300. Geburtstag feiert seine erste Leipziger Passionsmusik, die Johannes-Passion. Am diesem Freitagabend wird sie ab 21 Uhr auf dem Marktplatz aufgeführt, interpretiert vom inklusiven Ensemble “Sing & Sign” mit Gebärdensprache. Der MDR streamt das Ganze live.
Am 14. Juni erhält der Cembalist und Pianist Andreas Staier im Rahmen des Festes die Bach-Medaille. Laut Jury haben seine Bach-Interpretationen Referenzcharakter. “Meine Reisen in die Stadt Bachs hatten immer etwas von einer Wallfahrt”, erzählte Staier. 1986 sei er erstmals nach Leipzig gekommen. “Und noch immer nähere ich mich Leipzig mit den schwachen, doch emsigen Schritten des Pilgers.”