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Generalsekretärin: Kirche steht vor besonderen Herausforderungen

Trotz Mitgliederschwund und Bedeutungsverlust sei die Kirche gesellschaftlich relevant – vor allem in politischen Fragen. Auch zur Frauenfrage in der Kirche äußert sich die Generalsekretärin der Bischofskonferenz.

Die katholische Kirche in Deutschland steht nach Ansicht der Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz derzeit vor besonderen Herausforderungen. Einerseits sei klar, dass die Kirche kleiner werde und an Bedeutung verliere, andererseits werde in politischen Fragen deutlich, dass die Botschaft der Kirche gebraucht werde, sagte Beate Gilles in einer neuen Folge des Podcasts “Himmelklar”.

Die Bischöfe würden immer wieder in Gespräche mit Politikerinnen und Politikern gehen, die sie selbst begleiten dürfe. “Da merke ich, dass da sehr gut hingehört wird. Und danach wird darum gebeten, dass die Botschaft der Kirche in unserer Gesellschaft auch hörbar wird.”

Angesprochen auf den Mitgliederschwund der Kirche in Deutschland sagte sie, wie wichtig es sei, sich aktiver mit der Frage auseinanderzusetzen, warum man noch da sei. “Das ist etwas, glaube ich, was wir ein Stück neu lernen müssen, das auch mit einem starken Selbstbewusstsein ins Spiel zu bringen. Ich merke im Gespräch mit Menschen, dass das auch erwartet wird”, so die Generalsekretärin. Christen seien in Deutschland nicht gewohnt, in der Minderheit zu sein. “Das sind wir aber jetzt. Diese Rolle müssen wir annehmen und aus der heraus positiv agieren – und nicht mit so einem verhaltenen Minderwertigkeitskomplex.”

Zwar sei in den vergangenen Monaten und Jahren immer wieder gesagt worden, dass die katholische Kirche in Deutschland eine Sonderstellung einnehme, doch sei dies nur in der Frage der Möglichkeiten sichtbar, wenn man sie mit anderen Ortskirchen vergleiche. Die Weltsynode aber habe gezeigt, dass die Kirche in Deutschland vor den gleichen Fragestellungen stehe wie andere Regionen der Welt, so Gilles.

Dazu gehöre auch die Frauenfrage, vor allem nach der jüngsten Ernennung der ersten Regierungschefin des Vatikanstaates. Dies sei sehr wichtig, da der Papst ernst mache und alle Möglichkeiten nutze, um Frauen in das System zu bringen. Gilles nannte dies ein “starkes Zeichen”, dass der Papst in diesen Fragen andere Wege gehe. “Er hat es auch in der Synode gemacht, er hat Frauen und Laien insgesamt in die Synode berufen und gesagt: Es ist eine bischöfliche Synode.” Dadurch seien die Diskussionszusammenhänge anders, weil die Gruppen vielfältiger seien.

Die Frage, ob sie selbst gerne Priesterin geworden wäre, verneinte Gilles, teilte aber den Schmerz vieler Frauen, denen der Zugang zum Priesteramt verwehrt bleibe. “Ich kenne natürlich Frauen, die diese Berufung in sich tragen, und ich kann für mich ganz klar sagen, dass das für mich jetzt kein Thema war. Ich bin beruflich zunächst nicht in den pastoralen Dienst gegangen, sondern sehr bewusst in die Bildungsarbeit”.