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Geglückte erste Ausgabe von “Caren Miosga” mit Luft nach oben

Bei der Premiere überzeugte vor allem Journalistin Anne Hähnig, während Hauptgast Friedrich Merz wenig Neues zu entlocken war. Trotzdem hat das Format Zeug zu mehr Tiefe – und bietet dank Caren Miosga gute Gesprächskultur.

Ein neues Studio, ein Oppositionsführer und eine schwarze Schreibtischlampe, die Rätsel aufgab: Der Start von “Caren Miosga” ist geglückt, aber hoffentlich erst ein Anfang. Tiefschürfender, erklärender will der neue ARD-Polittalk als die Vorgängersendung von Anne Will sein, so der selbstformulierte Anspruch. Das neue Setting – ein runder Tisch, maximal vier Gesprächspartner gleichzeitig und lange Einspielfilme zur Erklärung – lösen das formal ein.

Am Inhalt kann indes noch gefeilt werden. Natürlich ist es schwer, bei einer wochenlang auch thematisch vorbereiteten Premiere die Tagesaktualität einzubinden. Doch angesichts des Themas “Merz richtet die CDU neu aus – wird Deutschlands Zukunft konservativ?” und der aktuellen Großdemonstrationen gegen Nazis und Rechtsextreme war das zwingend notwendig und sinnvoll.

“Ist es ein Dilemma, dass Sie die AfD bekämpfen, aber ihre Wähler gewinnen wollen”, fragte Miosga also CDU-Chef Friedrich Merz. Und der beschwor die politische Mitte und nannte das Wochenende “ermutigend”. Doch kam einem auch im langen Eins-zu-Eins-Gespräch Merz nicht wirklich näher, weder menschlich noch politisch. Wirklich neue Erkenntnisse gab es auch nicht: Die CDU feiert gern runde Geburtstage, aber ob Angela Merkel sich ihren 70sten im Sommer tatsächlich von Merz und der neuen CDU-Führung ausrichten lassen will, bleibt offen. Der heutige Parteichef versuchte, alte Missverständnisse abzuarbeiten, und erklärte Zuspitzungen wie die “kleinen Paschas” mal eben mit “Engagement”. Da bohrte Miosga dann nicht weiter nach, sondern ließ die Peinlichkeit stehen. Gut so.

Und natürlich musste die angenehm unaufgeregt wirkende Moderatorin die “K-Frage” stellen. Doch einen viermaligen Anlauf, den Oppositionsführer auch verbal in Sachen Kanzlerkandidatur zu überführen, hätte es nicht gebraucht. Dass Merz zu sehr Politprofi ist, um sich hier aufs Glatteis führen zu lassen, dürfte auch Miosga und ihrer Redaktion bekannt sein.

Stärker wurde die Sendung im zweiten Teil, als zu viert diskutiert wurde. Das lag ganz überwiegend an Anne Hähnig, Redaktionsleiterin der “Zeit im Osten”. Sie brachte die Dinge ungeschönt auf den Punkt. Wer AfD wähle, tue das nicht überwiegend aus wirtschaftlicher oder sonstiger Unzufriedenheit, sondern als ganz bewussten politischen Akt, sagte Hähnig.

Und der Soziologe Armin Nassehi von der Uni München sprach von einer “Inkompetenz-Unterstellung”, mit der unser demokratisches Gemeinwesen in Misskredit gebracht werden solle. Was dagegen getan werden kann, blieb allerdings weitgehend offen. Denn auch wenn es nicht wie bei “Anne Will” lähmende verbale Schlagabtausche um des Schlagabtauschwillens gab, sondern man sich recht zivil ausreden ließ, war irgendwann die Zeit um.

Zurück bleiben ein paar Rätsel – etwa das seltsam an Mengenlehre-Plättchen erinnernde Sendungslogo aus Kreis und Quadrat. Oder die Frage, warum bei den Namen der Studiogäste immer noch ein grüner Balken durchs Bild morphte. Immerhin wurde das Mysterium der schwarzen Schreibtischlampe gelöst: Das früher im Sauerland hergestellte Modell sollte Merz an seine Heimat erinnern.