Der Bundestag startet mit der CDU-Politikerin Julia Klöckner an der Spitze in die neue Legislaturperiode. Die 52-Jährige wurde in der konstituierenden Sitzung am Dienstag zur Bundestagspräsidentin gewählt. In ihrer Antrittsrede mahnte sie einen fairen Umgang der Abgeordneten miteinander an.
Klöckner erhielt in geheimer Wahl 382 Ja-Stimmen, 204 Abgeordnete stimmten mit Nein, 31 enthielten sich. Um gewählt zu werden, benötigte die frühere Bundeslandwirtschaftsministerin die Zustimmung der Mehrheit der 630 Bundestagsmitglieder, also mindestens 316 Stimmen. Die vermutlich künftige Regierungskoalition aus CDU, CSU und SPD verfügt im Bundestag über 328 Sitze.
Nach ihrer Wahl kündigte Klöckner an, ihr Amt „unparteiisch, unaufgeregt und unverzagt“ auszufüllen. Sie werde darauf achten, „dass wir ein zivilisiertes Miteinander pflegen“.
Eröffnet wurde die konstituierende Sitzung vom dienstältesten Bundestagsmitglied Gregor Gysi (Linke). Der Alterspräsident forderte in seiner Rede ebenfalls, unterschiedliche Meinungen im politischen Raum zu respektieren. „Wenn wir mehr Glaubwürdigkeit bei der Bevölkerung erreichen wollen, sollten wir in unserer Sprache das Maß wahren und nicht immer bei Menschen mit anderer Auffassung das Übelste unterstellen.“
In der Sitzung entschied das Parlament auch, die Geschäftsordnung des vorherigen Bundestags weiter gelten zu lassen. Diese schreibt die Regeln zur Arbeit des Parlaments detailliert fest.
Seit dem Zusammentritt des neuen Bundestags ist die Bundesregierung nur noch geschäftsführend im Amt. Am späten Nachmittag soll das Kabinett von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Entlassungsurkunden ausgehändigt bekommen. Schon zuvor hatte das Staatsoberhaupt den Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) formal gebeten, sein Amt bis zur Ernennung des Nachfolgers weiter auszuüben.
Vor der konstituierenden Sitzung versammelten sich zahlreiche Abgeordnete bei einem ökumenischen Gottesdienst in der katholischen Sankt Hedwigs-Kathedrale in Berlin. Der katholische Prälat Karl Jüsten rief die Politikerinnen und Politiker in seiner Predigt auf, Mandat oder Amt so auszufüllen, dass die Vertrauensbeziehung zu den Wählerinnen und Wählern „wachsen kann“. Die evangelische Prälatin Anne Gidion erinnerte die Abgeordneten daran, dass sie „mehr sind als das, was Sie leisten, mehr als die Klicks und der Applaus, mehr als das Amt und der gefüllte Kalender“.