Ein Studium über den sogenannten dritten Bildungsweg zu beginnen, hat sich einer Studie zufolge in Deutschland mittlerweile etabliert. Seit dem Beschluss der Kultusministerkonferenz 2009, einen Hochschulzugang für beruflich qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber ohne Abitur oder Fachabitur zu ermöglichen, haben rund 95.000 auf diesem Weg erfolgreich einen Studienabschluss erworben, wie das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) am Dienstag in Gütersloh mitteilte.
Aktuell seien knapp 69.000 Studierende eingeschrieben, die statt allgemeiner Hochschulreife (Abitur) eine abgeschlossene Berufsausbildung oder den Abschluss einer beruflichen Aufstiegsfortbildung mitbringen. Im Jahr 2010 seien es noch rund 25.700 gewesen. Datengrundlage für die aktuelle Erhebung sind Angaben des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2023.
Im Vergleich zu 2022 bleibe die Zahl der Erstsemester ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife konstant bei knapp 13.000, was einem Anteil von 2,6 Prozent an allen Studienanfängerinnen und -anfängern entspreche, hieß es. Davon haben sich die meisten demnach in Thüringen eingeschrieben. Mit einem Erstsemesteranteil von 6,5 Prozent liegt das ostdeutsche Bundesland vor Hamburg (3,8 Prozent) und Bremen (3,7 Prozent). Thüringen behauptet den Spitzenplatz seit 2020. Hauptgrund ist, dass die private UI Internationale Hochschule 2019 ihren Sitz in die Landeshauptstadt Erfurt verlegt hat.
Die Studierenden ohne Abi bleiben meist bei einem Bachelorstudium, wie die Analyse weiter ergab. Das Interesse, einen Master anzuschließen, sei eher gering. Die Untersuchung verweist auf Altersgründe. Laut den Statistiken beginnen sie ihr Studium mit durchschnittlich 33,2 Jahren, deutlich später als Studierende insgesamt (25,6 Jahre).