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Diakonische Initiative beklagt steigende Gewalt gegen Obdachlose

Die Straßensozialarbeit Göttingen (Straso) hat auf vermehrte Gewalt gegen Obdachlose in der Stadt aufmerksam gemacht. Gleichzeitig appellierte die Straso, eine Einrichtung der Diakonie im Kirchenkreis Göttingen-Münden, an die Bevölkerung, bei solchen Angriffen nicht wegzusehen. „Halten Sie die Augen offen, wenn Sie Gewalt gegen andere Menschen beobachten, zeigen Sie Zivilcourage und rufen Sie die Polizei“, heißt es in einem Appell der Straso-Mitarbeitenden vom Wochenende. „Wenn es die Situation ohne Eigengefährdung zulässt, sprechen Sie die Opfer an. Fragen Sie, ob und wie sie helfen können.“

Zuletzt habe ein Obdachloser am 11. März berichtet, während der Nacht an seinem Schlafplatz in der Göttinger Innenstadt von Unbekannten überrascht und mit einer Stange zusammengeschlagen worden zu sein. Der Betroffene habe gebrochene Finger, einen gebrochenen Arm und eine Platzwunde am Kopf davon getragen. Bereits im vergangenen Jahr sei der Mann an anderer Stelle der Stadt angegriffen worden.

Im Sommer 2024 habe ein Mann am helllichten Tag mit einer Deo-Dose und einem Feuerzeug versucht, eine bettelnde Frau anzuzünden, berichtete die Straso weiter. Sie habe Verbrennungen am Arm und im Gesicht erlitten. Aus Angst vor möglichen negativen Konsequenzen habe die Frau keine Anzeige stellen wollen. Da Passanten die Polizei alarmiert hätten, sei in dem Fall aber dennoch ermittelt worden.

„Häufig gibt es aber niemanden, der die Polizei ruft oder ein Gesprächsangebot unterbreitet und somit bleiben die Betroffenen mit der Situation allein“, beklagt die Straso. Gewalt gegen Obdachlose sei nicht nur ein Problem in Metropolen wie Berlin oder Hamburg, bekannt würden indes nur wenige Fälle: „Das Leben auf der Straße ist gefährlich. Nicht nur aufgrund der Gefahren durch Witterung, sondern auch weil Menschen auf der Straße Gewalttätern schutzlos ausgeliefert sind.“