Im früheren Michaeliskloster in Hildesheim befindet sich seit 2004 eine Fortbildungsstätte der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers für Gottesdienst und Kirchenmusik. Sie feierte in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Zuvor war hier ein Predigerseminar für die Ausbildung angehender Pastorinnen und Pastoren untergebracht. Vom ehemaligen Benediktinerkloster sind noch Teile des Kreuzgangs, eine Kapelle sowie die Klosterkirche St. Michael erhalten.
Das Kloster auf dem Michaelishügel am Rande der Innenstadt hat eine bewegte Geschichte hinter sich. 1010 legte Bischof Bernward von Hildesheim hier den Grundstein für die Michaeliskirche, die seine Grabeskirche werden sollte. Sie gilt als herausragendes Beispiel romanischer Baukunst und gehört heute zum Unesco-Weltkulturerbe. 800 Jahre beherrschte das Klosterleben den Hügel, bis das Kloster in napoleonischer Zeit geschlossen wurde. Die Kirche wurde zeitweise als Strohlager, Kegelbahn und Sporthalle genutzt.
In die Klosterräume zog 1827 eine Heil- und Pflegeanstalt für geistig behinderte Menschen ein. Zwischen 1940 und 1943 wurden mindestens 378 psychisch kranke Menschen aus der Anstalt von den Nazis deportiert und in Gaskammern ermordet – seit Anfang August erinnert ein Gedenkort an sie. Von 1943 bis 1945 dienten die Räume als Ausbildungsstätte der SS. Im März 1945 wurden sie durch Bomben weitgehend zerstört.
Nach Kriegsende überbaute die hannoversche Landeskirche das Kloster und siedelte dort das Predigerseminar und eine Familienbildungsstätte an. Beide Einrichtungen wurden 2002 geschlossen. Anschließend wurde das Gebäude aufwendig zur Fortbildungsstätte umgebaut. Die kriegszerstörte Klosterkirche St. Michael war bereits ab 1947 nach den ursprünglichen Plänen wiederaufgebaut worden.