Die Zahl der Menschen mit psychischen Belastungen und damit auch der Beratungsbedarf steigt – doch das Angebot an Erstanlaufstellen in Bayern droht drastisch ausgedünnt zu werden. Wie der Ochsenfurter SPD-Landtagsabgeordnete Volkmar Halbleib mitteilte, schließt beispielsweise das Bayerische Rote Kreuz (BRK) zum Jahresende seine Beratungsstellen des Sozialpsychiatrischen Dienstes in Würzburg, Kitzingen und Ochsenfurt. Grund dafür sei die nicht auskömmliche Finanzierung des niederschwelligen Beratungsangebot durch den Staat.
Je nach „Alters- und Sachkostenstruktur“ der Wohlfahrtsverbände als Träger der Beratungsstellen müssen diese einen Eigenanteil von fünf bis zehn Prozent tragen – sie müssen also eigenes Geld mitbringen, um diese Beratung im Auftrag von Staat und Kommunen überhaupt anbieten zu können. „Viele Träger können und wollen wegen anderer Probleme ihren Eigenanteil nicht mehr dazugeben“, schreibt Halbleib auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd). Das BRK habe daher bereits damit begonnen, dem Personal seiner Beratungsstellen Kündigungen auszusprechen.
Halbleib sagte, er habe sich als Mitglied im BRK-Landesvorstand für den Erhalt der Beratungsstellen eingesetzt, indem der Vertrag zwischen BRK und Bezirk Unterfranken für mindestens sechs oder besser zwölf Monate verlängert wird. In dieser Zeit hätte man dann eine längerfristige Lösung verhandeln können. Leider habe er dafür im BRK-Vorstand keine Mehrheit bekommen. Nun will der SPD-Landtagsabgeordnete das Thema im Landtag zur Sprache bringen. Per Antrag fordert er die Staatsregierung auf, schnell für eine Lösung und mehr finanzielle Unterstützung zu sorgen.
Angesichts der zunehmenden Fallzahlen bei psychischen Problemen und Erkrankungen sei der drohende Wegfall solcher niederschwelligen Beratungsangebote für Betroffene mit psychischen Belastungen und für deren Angehörige ein riesiges Problem. Es würde dazu führen, dass Menschen in Krisensituationen keinen „unkomplizierten Zugang zu qualifizierter Beratung und Betreuung“ hätten und sich an die ohnehin schon überlastete Notaufnahmen und Kliniken wendeten. Wichtige Präventionsarbeit könne nicht mehr geleistet werden, die Suizidgefahr steige. (1097/31.03.2025)