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Bischöfin aus Hildesheim kandidiert für Präses-Amt in Westfalen

Nach dem Rückzieher eines Kandidaten stellt sich nun eine Frau zur Wahl: Die westfälische Landeskirche will Ende März erneut versuchen, eine neue Spitze zu wählen. Die Theologin Ruck-Schröder bringt TV-Erfahrung mit.

Die Evangelische Kirche von Westfalen will einen zweiten Anlauf unternehmen, um die Nachfolge der zurückgetretenen Präses Annette Kurschus zu regeln. Als bislang einzige nominiert ist die Hildesheimer Regionalbischöfin Adelheid Ruck-Schröder (58), wie die Kirche am Mittwoch in Bielefeld mitteilte. Die Wahl soll am 29. März im Rahmen einer Sondertagung des Kirchenparlaments, der Synode, stattfinden.

Der zunächst ausgewählte Kandidat für das oberste Leitungsamt der Landeskirche, Pfarrer Michael Krause, hatte Monate vor dem Wahltermin im vergangenen November einen Rückzieher gemacht. Hintergrund sind Hinweise auf Verstöße gegen das Gebot, persönliche Grenzen einzuhalten, wie es hieß.

“Adelheid Ruck-Schröder hat uns beeindruckt und überzeugt”, erklärte die stellvertretende Vorsitzende des Nominierungsausschusses, Kerstin Goldbeck. “Ihre theologische Urteilsfähigkeit, ihre differenzierte Wahrnehmung unserer Landeskirche in ihren Stärken und besonderen Herausforderungen, ihre Besonnenheit und ihre Tatkraft machen sie aus unserer Sicht zu einer hervorragenden Kandidatin für das anspruchsvolle Präsesamt”, so die Superintendentin aus Hamm.

Ruck-Schröder wurde am 1. Mai 1966 im baden-württembergischen Bietigheim geboren. Sie war zunächst Gemeindepfarrerin der westfälischen Landeskirche. 2004 wechselte sie in die rheinische und 2011 in die hannoversche Landeskirche. Von 2015 bis 2021 leitete sie das Predigerseminar im Kloster Loccum, bevor sie Regionalbischöfin im Sprengel Hildesheim-Göttingen wurde. Von 2010 bis 2012 gehörte sie zum Sprecherkreis des “Worts zum Sonntag” in der ARD. Adelheid Ruck-Schröder ist verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Kindern.

Kurschus war am 20. November 2023 als westfälische Präses und als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zurückgetreten. Ihr wird vorgeworfen, als Gemeindepfarrerin in Siegen schon Ende der 1990er Jahre über Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens gegen einen Kirchenmitarbeiter informiert gewesen zu sein, diese aber nicht gemeldet zu haben. Kurschus weist die Darstellung zurück, legte aber mit Hinweis auf die öffentliche Debatte ihre Ämter nieder.