Big Brother: Damals ein Skandal, heute ganz normal

Vor 25 Jahren sorgte die Reality-TV-Show “Big Brother” für Aufsehen. Heute, mit Social Media, ist Selbstdarstellung ganz normal. Kaum etwas, was nicht geteilt wird. Ein Kommentar von Mirjam Rüscher.
Big Brother: Damals ein Skandal, heute ganz normal
Vor 25 Jahren startet Big Brother als die erste Reality-TV-Show, 2011 zieht Nadja Abd el Farrag in den Container
imago / APress

Menschen, die sich freiwillig in einen Container stecken lassen, um rund um die Uhr gefilmt und beobachtet zu werden – vor 25 Jahren ging das Reality-TV-Format Big Brother an den Start. Man hätte die Sendung auch nennen können: Der liebe Gott sieht alles. Nur, dass in diesem Fall die Zuschauerinnen und Zuschauer den lieben Gott spielen durften. Es war ein riesiger Tabu-Bruch, der Folgen haben sollte. Denn was vor 25 Jahren für einen großen Aufschrei sorgte, darüber können die meisten heute nur müde lächeln.

Big Brother war erst der Anfang: Social Media ist Selbstdarstellung pur

Ein „menschenverachtendes Experiment“ nannten es Kritiker. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) forderte ein Verbot, die Bundesregierung nannte die Sendung „skandalös“ und selbst für die Bild-Zeitung war es „Pfui-TV“. Die Kandidaten waren für die Kritiker Opfer – das sieht heute anders aus.

Junge Frau mit mittelblonden, langen Haaren und weißem Top
Unsere Autorin Mirjam Rüscher
Studioline

„Big Brother“ war nur der Anfang: Die Grenzen der öffentlichen Selbstdarstellung und auch des guten Geschmacks haben sich seither immer weiter verschoben. Wenn man eine Sache nur lange genug wiederholt, wird sie eben irgendwann normal. Nicht nur das Fernsehen, vor allem Social Media ist zur Plattform der öffentlichen Entblößung geworden. Kaum etwas, was die Menschen nicht öffentlich teilen, sodass andere sich daran ergötzen und es – ebenso öffentlich – kritisieren oder bejubeln können.

Social Media hat oft wenig mit der Realität zu tun

Über Geschmack lässt sich streiten, auch bei Fernsehen und Social Media. Und was die Menschen von sich irgendwo teilen, bleibt ihnen überlassen. Entgegen des Ausdrucks „Reality-TV“ sind diese Formate vieles, aber keine Realität. Was real ist, sind die Menschen, die hinter vielen Profilen stecken. Und so sollten wir beim Bewerten oder Kommentieren von anderen unsere eigene Menschlichkeit nicht vergessen.

Mirjam RuescherM
Ein Beitrag von:

Mirjam Ruescher

Freie Autorin aus Hamburg. Sie hat Germanistik, Philosophie sowie Journalistik und Medienwirtschaft in Flensburg, Berlin und Kiel studiert. Seit 2013 ist sie als freie Journalistin für verschiedene Medien tätig, arbeitete unter anderem für Spiegel Online, den Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag, das Hamburger Abendblatt und den Evangelischen Presseverband Nord. Sie schreibt über alles, was ihr begegnet, am liebsten Porträts und Reportagen. Besonderes Interesse hat sie an den Themen Psychologie, Reise, Kultur, Lebensstil und Pferden.

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