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Missbrauchswagen im Karneval: Debatte hält an

Ein Motivwagen des Kölner Karnevals zum Missbrauch in der Kirche steht in der Kritik. Viele Betroffene begrüßen das Motiv. Doch einige äußern auch Ablehnung.

Der Wagen mit dem Motto Missbrauch in der katholischen Kirche: Kritik, aber auch Lob gab es für diesen Persiflagewagen des Kölner Rosenmontagzugs
Der Wagen mit dem Motto Missbrauch in der katholischen Kirche: Kritik, aber auch Lob gab es für diesen Persiflagewagen des Kölner Rosenmontagzugsepd-bild / Guido Schiefer

Der Kölner Rosenmontagswagen zu Missbrauch in der katholischen Kirche sorgt weiter für Kontroversen. Während der Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz den Motivwagen begrüßte, kam von dem entsprechenden Gremium beim Erzbistum Köln Kritik.

Der Motivwagen zeigt einen jungen Messdiener, der vor einem Beichtstuhl steht. Aus diesem reckt sich ein Arm eines Geistlichen, der ihn mit einem lockenden Finger hineinbittet. Auf dem Beichtstuhl steht der Satz: “Jesus liebt dich”. Das Erzbistum Köln und der Kölner Stadtdechant Robert Kleine halten das Motiv für missverständlich: Zuschauer könnten die Darstellung so verstehen, dass nicht Geistliche für die Verbrechen verantwortlich seien, sondern Jesus selbst.

Betroffenenbeirat: Missbrauch wird an Rand gedrängt

Der Sprecher des Betroffenenbeirates bei der Deutschen Bischofskonferenz, Johannes Norpoth, sagte dem Kölner Internetportal domradio.de, es sei gut, den Missbrauch im Karnevalszug aufzugreifen. Denn das Thema werde zunehmend an den Rand gedrängt. Beichtstuhl und Spruch seien Sinnbild für Missbrauch in der katholischen Kirche. “Beichtstühle waren Tatorte”, so Norpoth. Zudem hätten Kleriker ihr schändliches Verhalten theologisch begründet.

Ähnlich äußerte sich der Priester Wolfgang Rothe, der auch dem Betroffenenbeirat bei der Bischofskonferenz angehört. “Das konkrete Motiv legt den Finger trefflich in die Wunde”, sagte er der KNA.

Zugleiter: Der Wagen bleibt!

Der Betroffenenbeirat im Erzbistum Köln kritisierte dagegen in einer Stellungnahme, dass das Thema auf diese Weise aufgegriffen werde. Dies sei “ein erneuter Missbrauch unserer Verletzungen”. Erschreckend sei zudem, dass sexueller Missbrauch immer an der katholischen Kirche festgemacht werde. Familien seien große Tatorte. “Dazu wird geschwiegen”, so der Rat. Es sei wichtig, über sexuellen Missbrauch öffentlich zu reden, jedoch geschehe dies selten mit Fingerspitzengefühl: “In unserer Not und unserer Verletzung werden wir immer wieder mit großer Unwissenheit, Falschdarstellung und Abwertung konfrontiert.”

Für den Verein “Umsteuern! Robin Sisterhood” erfasst das Motiv die Strategien kirchlicher Täter sehr präzise. Der Verein wurde gegründet, um die Interessen von Opfern sexualisierter Gewalt gegenüber der katholischen Kirche zu vertreten. Das Motiv sei auch für Außenstehende eindeutig erkennbar, erklärte Sprecherin Maria Mesrian. “Der Vorwurf, hier werde Jesus selbst verunglimpft, ist abwegig – ein durchsichtiges Manöver, um von der Schuld der Täter und dem kirchlichen Schutz für ihre Perversion der christlichen Botschaft abzulenken.”

Zugleiter Marc Michelske hatte betont, dass an dem Wagen festgehalten werde. Leider seien die Worte “Jesus liebt dich” von Missbrauchstätern ausgenutzt worden. Genau dies hätten ihm auch Missbrauchsbetroffene nach der Vorstellung des Wagenentwurfs bestätigt.