Seelsorge für Jugendliche oder Kinder ist anders: Heranwachsende benötigen eine andere Ansprache und vor allem andere Gesprächspartner. Deutlich wird das auf Freizeiten, wo Teamer nicht nur pädagogisch und organisatorisch, sondern auch seelsorgerisch gefordert sind. Deshalb gibt es die Peer-to-Peer-Seelsorge.
„Peer-to-Peer-Seelsorge sensibilisiert und stärkt junge Menschen für seelsorgliche Situationen in der Arbeit mit Gleichaltrigen. Ziel ist es, als Gleiche unter Gleichen hilfreich und gestärkt aufmerksam zu sein“, erklärt Sonja Winterhoff das Angebot. Die Diakonin ist mit einer neu geschaffenen Stelle im Zentrum für Seelsorge und Beratung der Landeskirche Hannover für die Peer-to-Peer-Seelsorge zuständig.
Seelsorge für junge Menschen war lange vernachlässigt
Lange Zeit wurde die besondere Seelsorge für junge Menschen vernachlässigt, so die Diakonin: „Häufig erinnern wir uns romantisierend an unsere Jugend. Diese jungen Menschen leben aber heute und haben in diesen Zeiten ganz eigene und andere Aufgaben. “
Nach den herausfordernden Corona-Jahren geht es darum, Ressourcen mit den Jugendlichen in Zeiten der Einsamkeit oder Depression zu entdecken und zu vermitteln: Du bist gesehen, gehört und so, wie du bist, gut. „Teamende sind häufig sehr dicht dran oder auch die ersten Kontakte, die Teilnehmende auf einer Freizeit suchen, wenn es ihnen nicht gut geht“, sagt Winterhoff. Bei Gleichaltrigen fällt es leichter, auszusprechen, was bedrückt. Diese Situation kann jedoch auch Druck erzeugen. Schließlich möchten die Teamer gut handeln und die richtigen Worte finden.
„Hier setzt Peer-to-Peer-Seelsorge als Schulungskonzept an, um den Teamenden Rückhalt zu geben und ein Netzwerk um diese Situationen herum zu bieten“, sagt Winterhoff. Sie bietet Schulungen an, die sich an Jugendliche rund um das 16. Lebensjahr richten.
Bei Lena kann man schwafeln
Lena Barth zum Beispiel findet ihre eigene Schulung extrem wichtig. Die 16-Jährige ist in der Evangelischen Jugend im Kirchenkreis Celle engagiert und begleitet dabei Freizeiten. Aktives Zuhören zu lernen und festzustellen, dass „man gar nicht so viel reden, sondern vor allem da sein“ muss, haben ihr geholfen. Wichtig ist auch die Feststellung, sich selbst bei der Seelsorge nicht zu vergessen. Lena Barth macht immer wieder die Erfahrung, dass die Freizeitteilnehmer bei Problemen lieber zu ihr als zu einem Erwachsenen kommen, gerade bei Liebeskummer. „Man ist einfach viel näher dran und schneller im Gespräch. Die wissen: Das ist die Lena, da kann ich frei schwafeln.“
Eine Fortbildung für Hauptamtliche gibt es am 13. November online. Infos zu Schulungen für Jugendliche gibt es in den Kirchenkreisjugenddiensten oder direkt bei Sonja Winterhoff unter 05141/ 75 05 560 oder sonja.winterhoff@evlka.de.