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Warum uns der Papst so fasziniert

Der Papst und sein Amt haben politisches Gewicht und sind eine Art Weltgewissen. Trotz des angestaubten Images der römisch-katholischen Kirche ist der Papst Kult. Das hat seine Gründe.

Papst Franziskus gilt als Reformer. Viele Erwartungen hat er aber enttäuscht
Papst Franziskus gilt als Reformer. Viele Erwartungen hat er aber enttäuschtImago / Ulmer

Das Papsttum fasziniert. Gerade hat der mehrfach für einen Oscar­ nominierte Film „Konklave“ in der Kategorie „bestes adaptiertes Drehbuch“ gewonnen. Das Drama nach dem gleichnamigen Buch von Robert Harris führt mitten hinein in die Auseinandersetzungen einer Papstwahl. Und das, während täglich Medien weltweit besorgt über den schlechten Gesundheitszustand des amtierenden 266. Amtsinhabers Franziskus berichten.

Es ist schon bemerkenswert: Da mag die Römisch-katholische Kirche noch so sehr als patriarchal und gestrig geschmäht werden – das Amt des Bischofs von Rom übt auch auf viele Nichtkatholiken eine eigenartige Anziehungskraft aus. „Wir sind Papst“, jubelte die Bildzeitung, als der Deutsche Josef­ Kardinal Ratzinger als Benedikt XVI. auf den Heiligen Stuhl Petri gewählt wurde. Dass seit 2022 an der Spitze des Weltkirchenrates, in dem orthodoxe und protestantische Kirchen aller Kontinente zusammenarbeiten, mit Heinrich Bedford-Strohm ebenfalls ein Deutscher steht, ist dagegen eher Expertenwissen.

Papst Franziskus ist weltweit ein Star

Es ist offensichtlich: Der Papst gibt der katholischen Christenheit ein Gesicht – im Zeitalter der Medien ein großer Vorteil, um weltweit wahrgenommen zu werden. Darum erstaunt auch nicht, dass zu Beginn dieses neuen Jahrtausends mit Johannes Friedrich ein leitender Lutheraner in Deutschland vorschlug, den Papst zum Sprecher der gesamten Christenheit zu machen.

Vor der römischen Gemelli-Klinik leuchten Kerzen für Papst Franziskus
Vor der römischen Gemelli-Klinik leuchten Kerzen für Papst FranziskusImago / Zuma-Press

So gehört heute zum Allgemeinwissen, dass der Pole Karol Woitila als Papst Johannes Paul II. einen wichtigen Beitrag zum Abbau des Eisernen Vorhangs geleistet hat. Und die Wahl des argentinischen Jesuitenpaters Jorge Mario Bergoglio­ zum Papst ließ weit über den Kreis der katholischen Reformer hinaus die Hoffnung wachsen, dass die uralte Institution des Vatikans sich modernisieren ließe. Schließlich hatte er sich den programmatischen Namen Franziskus für sein Pontifikat ausgesucht und als Erzbischof von Buenos Aires den Ruf erworben, sich vehement für soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Und so räumte er auch gleich nach der Wahl in der vatikanischen Finanzverwaltung auf.

Papst Franziskus erfüllt manch hohe Erwartung nicht

Dass Franziskus manche hohen Erwartungen wie die Zulassung von Frauen zum Priesteramt oder große Fortschritte in der Ökumene nicht erfüllt hat, mag manche tief enttäuscht haben. Doch die wichtigste Aufgabe eines Papstes ist nun einmal, die katholische Weltkirche zusammenzuhalten. Festzuhalten bleibt: Selbst wenn sein Pontifikat nun zu Ende gehen sollte: Dass das uralte Papstamt auch heute als eine gewichtige Stimme des Weltgewissens anerkannt und gesucht wird, ist sein bleibendes Verdienst.