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Urin im Weihwasser – Mainzer Pfarrer denkt über Schließung nach

Fäkalien im Weihwasser, zerstörte Beichtstühle: Mainzer Kirchen werden wiederholt Opfer von Vandalismus. Der Stadtpfarrer sieht sich zum Handeln gezwungen. Was er jetzt vorhat.

Der Mainzer Stadtpfarrer Thomas Winter beklagt Vandalismus in mehreren Kirchen. Es habe in den vergangenen Wochen immer wieder nicht hinnehmbare Vorfälle gegeben, erklärte er dem SWR am Montag. Inzwischen sei die Pfarrer-Landvogt-Kapelle außerhalb der Gottesdienste geschlossen, weil immer wieder Menschen vorbeigekommen seien, um ihre Notdurft in der Kapelle zu verrichten.

“Es regt mich wirklich auf, wie hier mit Kirchen in Mainz umgegangen wird”, so der 51-Jährige. Winter ist Pfarrer der Dompfarrei Sankt Martin und Sankt Quintin und leitet als Pfarradministrator außerdem die Mainzer Innenstadtgemeinden Sankt Stephan, Sankt Ignaz und Sankt Peter. Der Mainzer “Allgemeinen Zeitung” sagte er, eigentlich wolle er “mal für eine Woche die katholischen Kirchen von Mainz schließen” – als Appell an die Gesellschaft.

Auch in anderen Mainzer Kirchen fand Winter bereits Urin im Weihwasserbecken vor. In Sankt Peter sei im vergangenen Jahr randaliert worden, berichtete er: “Sie haben den Deckel des Taufbeckens durch den Kirchenraum geschleudert, Kerzenständer umgeworfen und die Tür vom Beichtstuhl aus den Angeln gerissen.” Ein Obdachloser, der oft in der Kirche sitze und aufpasse, was dort passiert, habe damals Hilfe geholt.

In Sankt Stephan gebe es einen Kirchenaufsichtsdienst aus Ehrenamtlichen. Die anderen Kirchen seien dem Vandalismus schutzlos ausgeliefert, denn für einen Wachdienst sei kein Geld da. Winter wolle daher mit neuen Überwachungskameras und zusätzlicher Beleuchtung für Abschreckung sorgen.

Im Gespräch mit der “Allgemeinen Zeitung” bat Pfarrer Winter Kirchenbesucher, möglichst aufmerksam zu sein und sich bei Vorfällen direkt an die Polizei oder an das Pfarramt zu wenden: “Kirchen haben doch für Mainz eine große Bedeutung. Sie sind ein Ort der Stille und der Einkehr. Wir alle müssen auf sie aufpassen”, sagte er.