Artikel teilen:

Umfrage zu Elisabethkirche Kassel: Wunsch nach Multifunktionslösung

Die katholische St. Elisabethkirche in Kassel soll künftig multifunktional genutzt werden. Dies wünscht die Mehrheit von rund 1.500 Teilnehmern einer Online-Umfrage, wie die Pfarrei in Kassel am Mittwoch mitteilte. Miriam Zimmer, Geschäftsführerin des mit der Auswertung beauftragten Instituts für Evaluation und Wirkungsforschung, erklärte, dass sich die Mehrheit der Umfrage-Teilnehmer für eine Nutzung ausspreche, die religiöse, kulturelle und soziale Aspekte vereint. Die Kunst- und Kulturkirche ist seit dem Einsturz des Daches am 6. November 2023 geschlossen.

34 Prozent der Teilnehmer favorisierten demnach eine Mischung aus traditionellen und gesellschaftlichen Nutzungen, 22 Prozent wünschten eine sozial-orientierte, meist nicht-religiöse Nutzung und 20 Prozent einen Begegnungsort mit kulturellen und religiösen Angeboten. Nur 24 Prozent setzten auf eine traditionelle kirchliche Nutzung. Ein einfacher Wiederaufbau werde daher auch von nur weniger als 20 Prozent unterstützt. Knapp die Hälfte der Kirchenmitglieder sähen die Zukunft der Kirche in einer Verbindung klassischer kirchlicher Funktionen mit neuen Inhalten. Von den nichtreligiösen Befragten sähen 54 Prozent den Dacheinsturz als Chance für eine neue Nutzung.

Laut Zimmer, Wissenschaftlerin am Zentrum für angewandte Pastoralforschung an der Ruhr-Universität Bochum, zeigt die hohe Umfragebeteiligung die große Bedeutung der Elisabethkirche und ihre Wertschätzung über Religionsgrenzen hinweg. Die Umfrage, konzipiert von der Pfarrei Sankt Elisabeth und dem Bistum Fulda, ergab zudem, dass mehr als die Hälfte der Befragten die Kirche als stadtbildprägend ansieht. Sie werde als wichtiger Ort der Religion (45 Prozent) und der Kultur (43 Prozent) wahrgenommen.

Dechant André Lemmer, Pfarrer der Elisabethkirche, bezeichnete die Umfrageergebnisse als Ansporn, einen zukunftsfähigen Ort zu schaffen, der Glaube, Kultur und gesellschaftliche Begegnungen verbindet. Dies erfordere Zeit: „Am Ende soll ein tragfähiges zukunftsorientiertes Konzept realisiert werden.“ Das sei kein Sprint, sondern ein Marathon, der sich auszahlen werde.

Menschen wurden bei dem Einbruch des Daches im November 2023 nicht verletzt. Die Orgel und mehrere Kunstwerke wurden schwer beschädigt, die Kirche erhielt ein Notdach. Wie die Kirchengemeinde mitteilte, dürfen erst wieder Gottesdienste und Veranstaltungen in der Kirche stattfinden, wenn ein Interimsdach aufgesetzt ist. Der Bauantrag sei gestellt. Auch der Zustand der Orgel werde derzeit begutachtet; es gehe um die Frage, ob eine Restaurierung möglich ist.

Die Elisabethkirche dient auch als Kunst- und Kulturkirche, in der Konzerte und Veranstaltungen sowie seit der Kunstausstellung documenta 11 im Jahr 2012 Begleitausstellungen zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler zur Weltkunstausstellung stattfinden.