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Rheinische Kirche zeigt sich solidarisch mit Menschen im Iran

Vor dem Hintergrund der gewaltsamen Niederschlagung regimekritischer Proteste im Iran mit wahrscheinlich mehreren tausend Toten hat die rheinische Kirche ihre Solidarität zugesichert. „Wir bewundern den Mut und die Entschlossenheit aller Demonstrierenden, die sich unter Einsatz ihres Lebens gegen die tödliche Ideologie des Unrechtsregimes wenden“, erklärte die Landessynode am Dienstag auf ihrer Tagung in Bonn. Derweil mahnte der Pastor für persischsprachige Seelsorge in Westfalen, Mehrdad Sepehri Fard, mehr Unterstützung für die Menschen im Iran an.

Konkret fordert das Kirchenparlament der Evangelischen Kirche im Rheinland humanitäre Visa und legale Zugangswege nach Deutschland für im Iran bedrohte Menschen. Auch brauche es einen sofortigen, bundesweiten Abschiebestopp in den Iran. Bisher haben unter anderem die Bundesländer Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und das Saarland Abschiebungen in den Iran ausgesetzt.

„Unsere Gebete und Gedanken sind bei den Menschen im Iran und bei allen durch totalitäre Gewalt Verfolgten und Bedrohten in der Welt“, erklärte die Synode der mit über zwei Millionen Mitgliedern zweitgrößten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Die für Ökumene zuständige Oberkirchenrätin Wibke Janssen betonte, der Beschluss sei ein Ausdruck der Verbindung. „Wir machen uns große Sorgen und bewundern den großen Mut“, sagte sie. In der Kombination aus Gebet und politischem Einsatz liege Kraft. Aus den Erfahrungen etwa der Flutkatastrophe im Ahrtal habe auch die rheinische Kirche gelernt, wie wichtig es sei, „zu wissen, dass Menschen am anderen Ende der Welt für einen beten“.

Iraner in Deutschland leiden nach Worten des evangelischen Theologen Mehrdad Sepehri Fard unter der Ungewissheit über das Schicksal ihrer Verwandten. Für in Deutschland lebende Angehörige sei die Situation „herzzerreißend“, sagte er in Paderborn der evangelischen Wochenzeitung „Unsere Kirche“ (Erscheinungstag 25. Januar). „Viele fühlen sich ohnmächtig. Sie sind hier in Sicherheit und wissen gleichzeitig, was ihren Familien passiert“, berichtet der in Teheran geborene Theologe, der 1997 mit seiner Frau nach Deutschland kam.

Schwierig ist es nach Worten des Theologen, zuverlässige Angaben über die Opfer zu erhalten. „Manchmal heißt es: 12.000 Tote, dann über 20.000, manche reden von 2.000. Die Menschen, mit denen wir sprechen, sagen mit weinender Stimme: ‘Soldaten kommen mit Waffen, sie schießen auf uns’“, berichtet der Theologe, der Ansprechpartner und Seelsorger für persischsprachige Christinnen und Christen, vor allem aus dem Iran, aus Afghanistan und Tadschikistan ist.

Er rief die Menschen in Deutschland und Europa dazu auf, Politikerinnen und Politikern Briefe zu schreiben, um sie zum Handeln aufzufordern. „Die Islamischen Revolutionswächter müssen als Terroristen eingestuft werden – in Deutschland, in Europa, weltweit“, forderte der Theologe, der im Kirchenkreis Paderborn die „Fachstelle Seelsorge für persischsprachige Christen“ leitet. Außerdem könnten iranische Botschafter ausgewiesen und diplomatische Kontakte beendet werden. „Das hätte Konsequenzen“, betonte er.

Die Menschen im Iran „wollen sich nicht mehr unterdrücken lassen, sie wollen ihre Revolution zu Ende bringen“, erläuterte der Theologe. Der Unterschied zu früheren Protestwellen sei, dass viele nicht mehr an Reformen glaubten. „Das politische Ziel ist heute klar: das Ende der Islamischen Republik“. Den Sohn des gestürzten Ex-Schahs im Iran, Reza Pahlavi, der eine Rückkehr in den Iran angekündigt hat, würden viele im Iran kennen, sagte Fard. „Wir haben keine Alternative, es gibt keine andere Führungsfigur, auf die wir uns einigen könnten.“