Artikel teilen:

Ophüls-Festivalleiterin ruft zum Wählen und Diskutieren auf

Die künstlerische Leiterin des Filmfestivals Max Ophüls Preis, Svenja Böttger, wirbt für den Austausch untereinander. „Lasst uns zuhören, lasst uns Fragen stellen, lasst uns kritisch miteinander sein, aber lasst uns vor allem aufeinander zugehen“, sagte sie am Montagabend bei der Eröffnung der 46. Festivalausgabe in Saarbrücken. Nirgendwo könne man besser in den Dialog treten als in einem Kinosaal mit anschließendem Filmgespräch. An der Eröffnung im Cinestar Saarbrücken nahmen laut Festival 1.200 Menschen teil.

Bis Sonntag sind 151 Filme im Saarland zu sehen. Den Auftakt machte die Politsatire „Muxmäuschenstillx“ von Regisseur und Hauptdarsteller Jan Henrik Stahlberg, in der es um den „Muxismus“ und Populismus in der heutigen Zeit geht. Dieser Film sei das diesjährige Statement des Festivalteams, betonte Böttger: „Wir würden euch bitten, wählen zu gehen.“

Der Film im Mockumentary-Stil ist die Fortsetzung von „Muxmäuschenstill“, der 2004 seine Premiere ebenfalls beim Max Ophüls Preis feierte und vier Auszeichnungen gewann. Regisseur und Hauptdarsteller Stahlberg betonte, dass es keine Fortsetzung im klassischen Sinne sei. Es gebe nicht Besseres, als der Gesellschaft mithilfe eines Psychopathen einen Spiegel vorzuhalten.

In der Gesellschaft gebe es zurzeit so wenig Verständnis füreinander, weil oft zwei Positionen gegenüberstünden, erläuterte Stahlberg. Es führe zu verhärteten Fronten, wenn jemand nicht mehr bereit sei, auch zuzugeben, wenn an Argumenten der Gegenseite etwas dran sei. „Ob’s der Falsche sagt, spielt für mich keine Rolle, sondern, was er sagt“, betonte der Regisseur. „Und wenn das richtig ist, was er sagt, werde ich mich damit auseinandersetzen wollen und müssen, und ich glaube, das sollten wir alle.“

Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) bezeichnete den Tag der Festivaleröffnung als bemerkenswert, weil zur gleichen Zeit Donald Trump in sein Amt als US-Präsident eingeführt wurde. „Wir haben schlicht und ergreifend das Bestmögliche von allen Kontrastprogrammen“, betonte sie. Denn während der Festivalwoche gehe es um „mutige Beiträge junger Filmschaffender“ und nicht darum, zu hetzen, Fake News zu verbreiten oder zu spalten. Es gehe darum, anzuregen, tiefer zu schauen, miteinander zu reden und zu diskutieren.

In den Wettbewerben Spielfilm, Dokumentarfilm, Mittellanger Film und Kurzfilm treten insgesamt 57 Filme an. Am Samstag werden im Saarbrücker E-Werk 19 Preise mit einem Gesamtwert von 128.500 Euro vergeben. Neu dabei ist, in Zusammenarbeit mit dem ZDF, eine Auszeichnung für Stoffentwicklung und Recherche für einen langen Debütfilm. ZDF-Intendant Norbert Himmler betonte, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk aufgrund der Rundfunkbeiträge privilegiert sei. Das sei eine Verpflichtung für hohe Qualität und Nachwuchspflege.

Der Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) unterstrich, dass die Unterstützung von Land und Stadt für ein solches Festival nicht selbstverständlich sei. In anderen Städten werde darüber gesprochen, die Kultur abzubauen. Das sei ein falsches Signal. „Auch in Zeiten knapper Kassen muss Geld da sein für Kulturschaffende, muss Geld da sein für den Nachwuchs“, sagte er.

Das Filmfestival Max Ophüls Preis ist eines der größten und wichtigsten Foren für deutschsprachige Nachwuchsfilmschaffende. Es ist nach dem in Saarbrücken geborenen europäischen Filmregisseur Max Ophüls (1902-1957) benannt. Bis zum Festivalende am Sonntag rechnet das Festivalteam mit über 1.400 geladenen Gästen, darunter rund 100 Journalistinnen und Journalisten.