In den Jahren 2023 und 2024 hat die Anerkennungskommission der evangelischen Nordkirche insgesamt 13 Fälle von Anerkennungsleistungen für Betroffene sexuellen Missbrauchs behandelt. Die Aufarbeitung soll weitergehen.
Die Anerkennungskommission der evangelischen Nordkirche hat im Jahr 2023 einen Fall und 2024 zwölf Fälle von Anerkennungsleistungen für Betroffene sexuellen Missbrauchs bearbeitet. Dabei wurden Leistungen zwischen 4.700 Euro und 50.000 Euro für die Betroffenen beschlossen. “In einem Fall haben wir die Zahlung von Leistungen allerdings ganz abgelehnt”, sagte die Vorsitzende der Kommission, die frühere Synodenpräses Ulrike Hillmann, am Samstag vor der in Travemünde tagenden Landessynode.
2025 stünden bislang neun Fälle zur Entscheidung an. “Wir sind keine sichere Kirche”, sagte Hillmann vor der Synode. “In unserer Gemeinschaft wurden und werden Menschen missbraucht.” Die systemischen Zustände in der Kirche hätten sexualisierte Gewalt erst möglich gemacht. “Dieser Schuld müssen wir uns stellen.”
Wie Hillmann ausführte, bietet die Anerkennungskommission den Betroffenen in der Regel ein Gespräch mit mehreren ihrer Mitglieder an. Die Betroffenen könnten dabei die Mitglieder der Kommission ebenso frei wählen, wie den Ort des Gesprächs. Zu diesen Gesprächen könnten sich die Betroffenen begleiten lassen. “Es geht darum, den Menschen zuzuhören und der Person oft erstmalig das Gefühl zu bieten: Mir wird geglaubt”, sagte Hillmann.
Traumatherapeut Klaus Machlitt, der Mitglied der Kommission ist, sagte, die Menschen, die man als Kommission getroffen habe, verbinde eine wesentliche Erfahrung: Sie hätten oft vergeblich versucht, über das Erfahrene zu berichten. “Und wenn sie es zur Sprache gebracht haben, wurde ihnen nicht ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt, oder es wurde ihnen nicht geglaubt.” Vor der Synode sprach er sich dafür aus, die Anerkennungsleistungen für Betroffene unter den Landeskirchen zu vereinheitlichen. Andernfalls würden die Betroffenen neue Ungerechtigkeiten erleben.
Ein weiteres Mitglied der Anerkennungskommission, die Rostocker Mitarbeiterin der Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt MISS, Anne Haerting, sagte, dass einige Betroffene eine Besetzung der Anerkennungskommissionen durch kirchenferne Personen wünschten. “Aber nur Menschen aus der Kirche können eine Anerkennung des Leids der Menschen für die Kirche aussprechen.” Nötig seien indes eine größere Transparenz der Anerkennungskommission und niedrigschwelligere Zugänge. Geklärt werden müsse auch, wie verhindert wird, dass die Kommission ein weiterer Ort für Machtmissbrauch werde. Deswegen habe die Anerkennungskommission der Nordkirche begonnen, ein Schutzkonzept für die eigene Arbeit zu erarbeiten.