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Nach Entenhausen? Etwas hinter Timbuktu, im Paralleluniversum

Man muss „Donald Duck“ sagen, nicht „Dack“. Sonst ist man gleich als Comic-Laie entlarvt. Doch wo liegt eigentlich dieses Entenhausen? Ein ehemaliger landeskirchlicher Archivar weiß das ganz genau.

Donald Duck ist ohne Frage einer der beliebtesten Einwohner von Entenhausen
Donald Duck ist ohne Frage einer der beliebtesten Einwohner von EntenhausenImago / United Archives

Anruf bei einem absoluten Experten für Entenhausen: Jens Murken, 55 Jahre alt, promovierter Historiker. Ehemals Chef des Landeskirchlichen Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen, heute Leiter des Dokumentenmanagements an der Hochschule Bielefeld. „Wenn Sie den Namen falsch aussprechen – was alle Laien tun –, werden Sie in der Szene nicht ernst genommen“, erklärt Murken.

Kenner sprechen bei Donald Ducks Geschichten von „Berichten“

Nun ist ja die Frage, ob man bei einer Angelegenheit wie Donald (korrekt) Duck überhaupt ernst genommen werden will – immerhin erscheinen die Geschichten rund um den tollpatschigen, gerade 90 jahre alt gewordenen Erpel seit Jahrzehnten in einer Buchreihe, die sich „Lustige Taschenbücher“ nennt … Ups, o weh, gleich der nächste Fehler. „Wir bevorzugen es, von Berichten zu sprechen, nicht von Geschichten“, tadelt Murken, der Experte.

Die "Lustigen Taschenbüchern" haben junge und alte Fans
Die "Lustigen Taschenbüchern" haben junge und alte FansImago / Frank Sorge

Jens Murken ist Mitglied von D.O.N.A.L.D. Das ist die „Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus“. Die hat weltweit rund 1200 Mitglieder, die ihr Engagement der „Erforschung der Familie Duck und des Entenhausener Universums“ widmen, und zwar mit wissenschaftlicher Akribie, mit Aufsätzen und Kongressen. Kein Scherz.

Wo liegt eigentlich Entenhausen?

Zum Beispiel der Beantwortung der Frage: Wo liegt eigentlich Entenhausen? „In den Comics gibt es ein Schild am Ortseingang, da steht drauf: Timbuktu 6983 Kilometer“, berichtet Murken und schwärmt: „Das sind handfeste Anhaltspunkte.“ Denn Entenhausen – das steht für Donaldisten fest – ist keine Fantasie, sondern Wirklichkeit. „Nur in einem Paralleluniversum“, erklärt der Doktor der Geschichtswissenschaften – und man stellt endlich und erleichtert fest, dass Murken sich jetzt doch ein Schmunzeln nicht mehr verkneifen kann.

„Na ja“, gibt er dann auch zu, hundertprozentig ernst nehme er die Sache dann vielleicht doch nicht. Aber es gebe unter Donaldisten durchaus auch andere Temperamente. Einmal sei er im Radio zu D.O.N.A.L.D. interviewt worden. „Die Reaktionen im Landeskirchenamt am nächsten Tag fielen sehr unterschiedlich aus“, erinnert sich Murken.

Abenteuer, Irrwege und Scheitern – wie im richtigen Leben

Warum Donald Duck? „Ich habe ihn als Kind kennen und lieben gelernt, bin irgendwie dabei hängen geblieben“, erklärt der Fachmann für Akten, Fakten und Entenhausen. „Donald sucht das Abenteuer, gerät auf Irrwege und scheitert oft. Wie im richtigen Leben.“ Im Grunde, analysiert Dr. Murken, sei Donald Duck so etwas wie ein Meister des Neuanfangs.