Im Zuge der friedlichen Revolution machte er eine erstaunliche Karriere: Lothar de Maizière war letzter Ministerpräsident der DDR und spielte zunächst im wiedervereinigten Deutschland eine wichtige politische Rolle.
Lothar de Maizière, erster demokratisch gewählter und zugleich letzter Ministerpräsident der DDR, wird am Sonntag 85 Jahre alt. Der 1940 im thüringischen Nordhausen geborene de Maizière studierte zunächst Musik, später dann Jura. Er entstammt einer protestantisch geprägten und politisch sehr aktiven Familie. Sein Vater Clemens de Maizière war Jurist, Synodaler der Berlin-Brandenburgischen Kirche und Mitglied der Ost-CDU. Der frühere Bundesminister Thomas de Maizière (CDU) ist sein Cousin.
Lothar de Maizière war seit Mitte der 1950er Jahre Mitglied der Ost-CDU. Am 18. November 1989 trat er als stellvertretender Vorsitzender des Ministerrates und als Minister für Kirchenfragen in die von Hans Modrow geführte DDR-Regierung ein. 1990 wurde er dann als Spitzenkandidat der “Allianz für Deutschland” erster frei gewählter Ministerpräsident der DDR.
In seiner Amtszeit wurde die Wiedervereinigung mit der Bundesrepublik Deutschland verhandelt. Anschließend wurde de Maizière unter der von Helmut Kohl geführten Bundesregierung Bundesminister für besondere Aufgaben. Ende 1990 trat er als Minister zurück, nachdem erste Gerüchte über eine Tätigkeit als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Staatssicherheit in der DDR auftauchten. Tatsächlich war er dort als “IM Czerni” erfasst, bestreitet aber bis heute, für die Stasi als IM tätig gewesen zu sein. De Maizière beförderte maßgeblich die Karriere der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die für ihn als stellvertretende Regierungssprecherin gearbeitet hatte.
Zudem war de Maizière in der evangelischen Kirche aktiv. Er war von 1986 bis 1990 Vizepräses der Synode des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR. Dort arbeitete er – wie auch der inzwischen verstorbene frühere brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) – am Dialog der Kirchen mit der Regierung und der Staatspartei SED.