24 lebende Geiseln sollen weiterhin im Gazastreifen gefangen sein. Ihre Angehörigen befürchten das Schlimmste, seit Israel die Angriffe gegen die Hamas wieder aufgenommen hat. Sie rufen zu Demonstrationen auf.
Mit der Wiederaufnahme der Angriffe gegen die Hamas in der Nacht zu Dienstag setzt die israelische Regierung nach Worten des “Forums der Geisel- und Vermisstenfamilien” das Leben der verbliebenen Gefangenen im Gazastreifen aufs Spiel. “Militärischer Druck könnte ihr Leben weiter gefährden und die Bemühungen, sie sicher nach Hause zu bringen, erschweren”, heißt es in einem Aufruf des Forums zu einer Demonstration vor dem Parlament in Jerusalem (Dienstag). Bis mittags waren einige Dutzend Demonstranten dem Aufruf gefolgt.
Der Zusammenschluss von Geisel-Angehörigen zeigte sich schockiert und wütend auf die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Mit den erneuten Kämpfen sei “die größte Angst der Familien, der Geiseln und der Bürger Israels” wahr geworden. Die Angriffe müssten sofort beendet und die Verhandlungen wieder aufgenommen werden, so Angehörige von in Hamas-Gefangenschaft ermordeten Geiseln.
Auch ehemalige Geiseln äußerten sich in Sozialen Medien enttäuscht. Ihre Leidensgefährten seien erneut zu Spielfiguren geworden. Einav Zangauker, deren Sohn Matan die Hamas-Terroristen am 7. Oktober 2023 in den Gazastreifen verschleppten, rief in einem Facebook-Post dazu auf, eine Menschenkette entlang der Grenze zu Gaza zu bilden. Es sei “ein Kampf um den Charakter des Staates”, bei dem alle auf die Straße gehen müssten.
Kritik übte laut Bericht der Zeitung “Haaretz” auch “Ima Era”, ein Zusammenschluss von Soldatenmüttern. Besonders der Zeitpunkt der Wiederaufnahme der Kämpfe weniger als 24 Stunden nach Bekanntgabe der Entlassung des Inlands-Geheimdienstchefs Ronen Bar lasse Bedenken aufkommen. Regierungskritiker sehen die Personalentscheidung Netanjahus als persönliche und undemokratische Machtdemonstration. “Wir werden nicht zulassen, dass unsere Kinder als Schutzschild für eine Regierung dienen, die das Vertrauen der Öffentlichkeit verloren hat”, zitiert die Zeitung die Gruppe.
Unterstützung für den Regierungskurs kam vom rechtsgerichteten Tikwa-Forum von Geiselfamilien. Die vergangenen Wochen hätten bewiesen, dass die Hamas “niemals alle Geiseln freiwillig zurückgeben” werde, heißt es in einer Mitteilung von Dienstag. Die Rückgabe könne nur durch massiven militärischen Druck, einer vollständigen Blockade einschließlich der Unterbrechung der Strom- und Wasserversorgung und der Besetzung von Gebieten erreicht werden.