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Forschungsprojekt untersucht Selbstzeugnisse aus NS-Zeit in Bielefeld

Ein Forschungsprojekt der Universität Bielefeld will Selbstzeugnisse aus der NS-Zeit aus Bielefeld auswerten. Historiker am Arbeitsbereich Zeitgeschichte der Universität beschäftigten sich mit der Gesellschafts- und Erfahrungsgeschichte des Nationalsozialismus, teilte die Universität am Montag mit. Dafür seien die Forscher auf der Suche nach Bielefelder Selbstzeugnissen wie Tagebücher, Briefe oder private Aufzeichnungen, die zwischen 1930 und 1950 im Raum Bielefeld entstanden und in Privatbesitz sind.

Die Dokumente sollen wissenschaftlich ausgewertet werden, erläuterte die Universität. In Kooperation mit dem örtlichen Stadtarchiv werde dafür Sorge getragen, dass sie anschließend sachgerecht aufbewahrt werden. Das Forschungsprojekt werde aus Mitteln finanziert, die der renommierte Holocaust-Forscher Saul Friedländer mit dem an ihn verliehenen Balzan-Preis erhalten habe.

Dokumente aus vergangenen Zeiten tauchten beim Entrümpeln des Dachbodens, bei einem Umzug oder bei einer Haushaltsauflösung auf, erklärte die Universität. Wer in seiner Familie auf solche Dokumente stoße, solle diese nicht wegwerfen, erklärten die Forscher in dem Appell „Nicht wegwerfen!“. Diese wertvollen zeithistorischen Quellen sollten nicht unbeachtet versiegen.

Wer Kontakt mit dem Forschungsprojekt aufnehme, sorge dafür, dass diese einzigartigen Dokumente professionell gesichtet, erforscht und auf Wunsch im Stadtarchiv sachgerecht aufbewahrt werden könnten, hieß es. Das Projekt wird geleitet von der Bielefelder Historikerin Christina Morinain. Es ist Teil des Forschungsprojektes „Bystanding in the Holocaust in Europe“ (Zuschauende im Holocaust in Europa).