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Filmemacher positiv überrascht von Politikinteresse junger Menschen

Youtuber Alexander Prinz und TV-Urgestein Friedrich Küppersbusch haben zur Wahl Forderungen der jungen Generation eingesammelt und die Politik damit konfrontiert. Und hatten ganz andere Ergebnisse erwartet.

TV-Urgestein Friedrich Küppersbusch und Youtuber Alexander Prinz – dort bekannt als “Der Dunkle Parabelritter” – sind positiv überrascht vom Politikinteresse junger Menschen vor der Wahl. “Ich war beeindruckt von dem großen Wunsch nach Kompromiss, nach Mitte”, sagte Küppersbusch am Mittwoch im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): “Das hätte ich von einer angeblich über soziale Medien radikalisierten Jugend definitiv nicht erwartet.”

Prinz und Küppersbusch hatten für ihr gemeinsames Format “Dieses Video sollte jeder Politiker sehen” Reporter durch das ganze Land geschickt, um Stimmen junger Menschen unter 30 zu sammeln und zu fragen: “Was wünschst du dir? Was macht dir Hoffnung?”

Die Antworten sind seit dem Wochenende auf Youtube und bei Funk zu sehen. Im zweiten Teil, der am Donnerstag erscheint, reagieren Politikerinnen und Politiker der großen Parteien auf die Wünsche der jungen Menschen.

“Die Idee war, nicht die 58. Politikerrunde zu machen, sondern den Menschen eine Bühne zu bieten”, betonte Küppersbusch: “Erst nachdem wir merkten, dass das abging wie Zäpfchen, haben wir gesagt, dass man das jetzt eigentlich mal den Mandatsträgern um die Ohren hauen sollte.”

Das Projekt habe gezeigt, so Prinz, dass “die Themen, die im Wahlkampf stark sind, nicht die sind, die die junge Zielgruppe umtreiben”. Zum Beispiel hätten viele vor allem über Kritik an der Schule und am Bildungswesen sprechen wollen und über das Thema berufliche Zukunft.

Sehr gerne hätten die Filmemacher auch mit mehr rechten Jugendlichen und jungen Erwachsenen gesprochen, ergänzte Küppersbusch, doch viele hätten gesagt “Mit Öffentlich-Rechtlichen reden wir nicht. An die sind wir tatsächlich nicht rangekommen.”

Auch bei den Anfragen an Politiker sei es ähnlich gewesen, fügte er hinzu: “Wir wollten die digital reichweitenstärksten Politikerinnen und Politiker. Bis auf eine Ausnahme haben alle zugesagt, also Robert Habeck, Karl Lauterbach, Heidi Reichinnek, Philip Amthor, Muhanad Al-Halak und Sahra Wagenknecht. Nur bei der AfD haben wir uns mit über 20 Anfragen an Alice Weidel, Tino Chrupalla und Beatrix von Storch eine blutige Nase geholt.”

Prinz betonte, er finde es interessant, “dass wir mit einem Beitrag, der Hoffnung und Positives verbreitet, nach anderthalb Tagen schon eine Viertelmillion Aufrufe generiert haben”, denn normalerweise werde vor allem Negatives auf Youtube geklickt.

Beeindruckt habe ihn auch, so Prinz weiter, dass es bei den jungen Menschen “so viel produktives Durchschauen von Zusammenhängen, so viel Anpack-Mentalität” gebe. Die meisten wüssten offenbar, “was wie mit ihrem Leben anfangen wollen und was sie brauchen, um diese Ziele zu erreichen”.