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Evangelischer Armutsbeauftragter: Politik muss Armut wahrnehmen

Es gibt Armut, und die Politiker sollen dies endlich anerkennen, findet der Armutsbeauftragte der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Thomas de Vachroi.

Der evangelische Armutsbeauftragte Thomas de Vachroi fordert eine größere Anerkennung des Armut-Phänomens durch die Politik. “Politisch braucht es erst mal das Statement und die Anerkennung, dass es Armut gibt”, sagte Vachroi von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz am Montag dem Berliner “Tagesspiegel”. Aktuell sei jeder fünfte Bundesbürger von Armut betroffen.

Dabei unterstrich der Armutsbeauftragte, dass viele von Armut betroffene Bürger nicht wüssten, welche Rechte sie hätten. “Die staatliche Hilfe für Bedürftige ist etwas, auf das man einen Rechtsanspruch hat. Es ist kein Almosen, das ist etwas, das einem zusteht”, so Vachroi. “Deswegen müssen wir mit den Betroffenen darüber reden. Und wir müssen es einfacher machen, Hilfen zu beantragen: Ein Antragswirrwarr von 20 Seiten ist einem 80-Jährigen nicht mehr zuzumuten.”

Gerade weil viele Bedürftige aus Angst vor sozialer Ächtung ihre Situation verborgen halten, betont de Vachroi, dass die Politik nicht alles regeln könne. “Wir brauchen auch eine Rückkehr zur Nächstenliebe. Es wäre viel gewonnen, würden sich die Menschen dafür interessieren, wie es ihren Nachbarn geht.” Es gebe eine “wachsende Empathielosigkeit”, teilweise bedingt durch die weltweiten Krisen. “Und das müssen wir dringend angehen.”

Lange Zeit war Thomas de Vachroi der Armutsbeauftragte des Kirchenkreises Neukölln, seit dem 8. April ist er der erste Armutsbeauftragte der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.