Die Weltkunstausstellung documenta in Kassel feiert in diesem Jahr ihre Gründung vor 70 Jahren. Die erste internationale Ausstellung zeitgenössischer Kunst wurde am 15. Juli 1955 eröffnet, wie die documenta am Mittwoch mitteilte. Der Kasseler Kunstprofessor Arnold Bode (1900-1977) hatte sie damals als Begleitausstellung zur Bundesgartenschau konzipiert. Zum Jubiläum lädt die documenta dieses Jahr über zu Ausstellungen, Talk- und Vortragsreihen, Konzerten und Performances ein, die sich mit der wechselvollen Geschichte und der Zukunft der Ausstellungsreihe auseinandersetzen. Mit einem Festakt am 7. Juni erinnert die Schau an ihre Gründung und eröffnet zugleich eine „stadtweite Intervention“ der documenta-12-Künstlerin Cosima von Bonin.
„Wir ergreifen zu diesem Jubiläum die Gelegenheit, um über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft der documenta zu sprechen – und zwar aus allen Perspektiven“, sagte der documenta-Geschäftsführer Andreas Hoffmann. Im Zentrum stehe ein kritischer Rückblick auf zentrale Aspekte der Ausstellungen, wie etwa die Inszenierung einzelner Künstlerpersönlichkeiten oder auch die Rolle der kuratorischen Einzelpersönlichkeit an der Spitze. Ebenso gehe es um die Suche nach neuen Formen des Kuratierens und Ausstellens angesichts einer sich rasant wandelnden Vorstellung von Kunst. „Das Besondere an der documenta ist ja, dass sie in einem kritischen Diskurs mit ihrer eigenen Geschichte und den künstlerischen Referenzen fortgeschrieben wird“, hob Hoffmann hervor.
Das Jubiläumsprogramm beginnt mit der ersten Einzelausstellung des 1975 in Mexiko geborenen documenta-13-Künstlers Mario García Torres in Deutschland. Die Schau „A History of Influence“ führe Besuchende vom 15. März bis 27. Juli auf einem heiteren Spaziergang zu Gemälden, Diaprojektionen, Film-, Foto- und Klangarbeiten sowie Skulpturen. Zu den Höhepunkten des Programms gehöre die Ausstellung „7.000 Palmen“ der 1962 in Mombasa geborenen und heute in Köln lebenden Künstlerin Cosima von Bonin. Zentrales Element der vom 7. Juni bis 28. September geöffneten Schau seien Wimpelketten mit der Silhouette einer Palme, mit denen Bürgerinnen und Bürger Kassels ihre Stadt schmücken können.
Der Pädagoge und Publizist Meron Mendel und der Soziologie Heinz Bude stellen am 1. April im Fridericianum das Buch „Kunst im Streit – Antisemitismus und postkoloniale Debatte auf der documenta fifteen“ vor. Es analysiere die Dynamik rund um den Antisemitismus-Streit auf der Schau im Jahr 2022. Eine Gesprächsreihe unter dem Titel „documenta lessons. Von, mit und ohne Kunst lernen.“ spüre dem Lernen durch Kunst vom 6. Mai bis 1. Juli an verschiedenen Orten nach. Das documenta archiv und das Museum für Sepulkralkultur erinnern mit einer Ausstellung vom 31. Oktober bis 1. Februar 2026 an den documenta-3-Teilnehmer Harry Kramer (1925-1997). Der Initiator der Künstlernekropole im Habichtswald wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden.